Ein Jungtier aus dem Nest geworfen

Zaghafte Flugübungen: Storchennachwuchs in Kirchweyhe reckt seine Hälse

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Der Nachwuchs wird allmählich flügge: Unter den wachsamen Augen der Eltern unternehmen die beiden Jungstörche in Kirchweyhe ihre ersten zaghaften Flugversuche.

Uelzen-Kirchweyhe. Wenn die Kirchweyher in diesen Tagen hoch zu dem Schornstein auf der alten Schmiede blicken, offenbart sich ihnen ein schöner Anblick.

Die beiden Jungstörche sind mittlerweile so groß, dass sie unter den wachsamen Augen der Eltern ihre ersten zaghaften Flugversuche unternehmen.

Keine Selbstverständigkeit, denn ein Jungstorch ist bereits am 19. Juni von den Eltern aus dem Nest geworfen worden. Er starb. „Das große Problem in diesem Jahr ist nicht die Nässe“, erklärt der Storchenbeauftragte Waldemar Golnik. „Es gibt so gut wie keine Nahrung.“

Das letzte Jahr sei ein „Riesen-Mäusejahr“ gewesen, wie Golnik bestätigt. „Im Jahr darauf bricht die Population dann ein.“ Wenn Adebars Nachwuchs größer wird, genügen ihm nicht mehr nur Regenwürmer, dann braucht er Frösche und Mäuse. Weil die Eltern offenbar zu wenig davon in der Umgebung von Kirchweyhe fanden, um alle drei Jungtiere zu versorgen, haben sie eines aus dem Nest geworfen.

Der Ortschronist Dirk Marwede beobachtet das Treiben der Weißstörche in Kirchweyhe schon seit vier Jahren, als sie sich zum ersten Mal auf dem Schornstein der leer stehenden Schmiede niedergelassen hatten. „Eine Woche habe ich die Jungen nicht mehr gesehen. Doch jetzt, bei schönem Wetter, zeigen sie sich wieder. Und sie wirken sehr aktiv“, sagt er.

Sie scheinen wohlgenährt zu sein und werden offenbar mit ausreichend Nahrung versorgt. Golnik vermutet, dass es für die Elterntiere in den nächsten Wochen einfacher sein wird, Nahrung zu finden: „Viele Gerstenfelder sind jetzt abgeernet und dort können sie auf Beutejagd gehen.“

Die Kirchweyher hoffen nun, dass sich die Geschichte von vor zwei Jahren wiederholt. Damals gab es ebenfalls drei Jungtiere. Nachdem eines von ihnen aus dem Nest geworfen wurde, konnte das Elternpaar den übrig gebliebenen Nachwuchs erfolgreich großziehen.

Wenn alles gut geht, bleiben die Jungstörche noch bis Anfang August in Kirchweyhe. Dann versammeln sie sich mit anderen Jungtieren aus der Umgebung und fliegen gemeinsam gen Süden. Dort bleiben sie ein bis zwei Jahre.

Dann könnte es ein Wiedersehen in Kirchweyhe geben. „Bis sie ihr eigenes Revier gefunden haben, treiben sie sich herum – und statten hoffentlich auch den Kirchweyhern einen Besuch ab“, hofft Marwede.

Die haben nämlich eine besondere Beziehung zu „ihren“ Weißstörchen, denn bevor diese den kleinen Ort vor vier Jahren für sich entdeckt hatten, gab es dort fast ein Jahrhundert kein gefiedertes Langbein mehr. Die erfolgreiche Brut im Jahr 2014 war die erste im Landkreis Uelzen seit 50 Jahren.

Von Sandra Hackenberg

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