Von New York lernen?

Uelzen muss sich für die Zukunft neu positionieren – bloß wie?Archivfoto: Börchers

Uelzen - Von Marc Rath. „Wir müssen zu Potte kommen. Sonst laufen uns die anderen Städte noch mehr den Rang ab“ –  Moderator Rainer Teske vom Uelzener SPD-Ortsverein formulierte am Donnerstagabend zum Auftakt der Diskussionsrunde über „mögliche Zukunftsperspektiven der Innenstadtentwicklung“ den Handlungsdruck. Uelzen besitze zwar eine liebens- und lebenswerte Innenstadt, befand Teske, „aber es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten“.

„Die Expertenmeinungen“ wollten die Sozialdemokraten an dem Abend im Gildehaus inmitten der Innenstadt hören. Teske räumte seine Enttäuschung ein, dass sich dazu neben einem Dutzend SPD-Mitglieder nur die gleiche Anzahl von Interessenten eingefunden hatten.

Die erlebten die ganze Bandbreite von Argumenten, auch wenn diese durchweg nicht neu waren. City-Manager Joachim Lotz etwa bedauerte die mangelnde Identifikation mit der Stadt. „Der Uelzener hat kein Wir-Gefühl“ und „ist nicht stolz auf seine Stadt“, beklagte er, dass Uelzen „nicht so schlecht ist, wie es immer dargestellt wird“.

In der Stadt gebe es „ein immenses Angebot“. Mit dem Hundertwasser-Bahnhof, den Glemme-Steinen oder dem Adventskalender könne Uelzen viel bieten. Jetzt gelte es, „bestehende Ideen abzuarbeiten“, anstelle neue Gutachten zu erstellen. Davon lägen genug in den Schubladen, in die niemand schaue. „Wir brauchen Macher, keine Schwätzer“, betonte der City-Manager und legte gleich noch ein paar Beispiele vor. Die Touristeninfo im Rathaus etwa habe samstags nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet, nicht aber, wenn die Wochenend-Touristen in die Stadt kämen. Der Internetauftritt der Stadt biete keine echte Dialogmöglichkeit und sei überdies inaktuell, verwies er darauf, dass beim Menüpunkt „Weinmarkt“ Informationen von 2008 zu sehen sind.

Beim Thema Sicherheit sei die Stadt „liberal“ eingestellt. Zu liberal, findet Lotz. Mit der Devise „Null Toleranz“ sei New York erfolgreich gewesen. In Uelzen werde noch nicht einmal der kommunale Ordnungswidrigkeitenkatalog durchgesetzt. „Vom Bahnhof in die Innenstadt laufen die Besucher an Müllhalden vorbei und keinen interessiert es“, ärgerte er sich und erntete Widerspruch vom Leiter des Uelzener Streifendienstes, Ralf Munstermann. Die amerikanische Metropole sei mit ihrem Konzept gescheitert und 200 Anzeigen pro Jahr in Uelzen sprächen die Sprache, dass praktisch an jedem Werktag eine Ahndung erfolge, konterte der Polizist und ranghohe SPD-Kommunalpolitiker.

In eher strategischen Linien argumentierte die Rathaus-Spitze. Bürgermeister Otto Lukat und Baudezernent Karsten Scheele-Krogull sehen in Zeiten des demografischen Wandels die Schaffung von Wohnraum in der Innenstadt für Uelzen als überlebensnotwendig an. Lukat hat dabei die „Generation 60 plus“ im Auge. „Aufzüge und seniorengerechte Aufenthaltsqualität“ seien hier gefordert. „Die Menschen wollen in die Stadt ziehen“, betonte auch Scheele-Krogull. Das Rathaus arbeite daher an Programmen für Hausbesitzer. Das Quartier um den Uelzer Hof soll hier Modellcharakter bekommen, verwies er auf den schon seit einigen Jahren diskutierten Ansatz.

„Die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Bereich muss besser werden“, nannte der Bauexperte eine weitere Herausforderung für die Stadt. Dazu zähle auch die Neugestaltung der Marktstraßen. Hier müssten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden“, unterstrich SPD-Fraktionschef Manfred Daum, „der jetzige Zustand hat sich überlebt“. Die Stadt müsse ein Angebot vorhalten, das es im Umland nicht gebe, um in Zukunft attraktiv zu sein.

Eine Änderung des Verbraucherverhaltens beobachtet Handelsvereins-Vorsitzender Uwe Schwenke in Uelzen als „schleichenden Prozess“. Die Handelslandschaft habe sich „brutal verändert“, in der Stadt gebe es zudem in vielen Bereichen einen großen Investitionsstau. Für eine attraktivere Innenstadt müsse es jedoch „eine richtige Abfolge der Maßnahmen geben“, kritisierte er eine zu starke Fokussierung auf den Verkehrsfluss.

„Jede Menge Munition“ sah Diskussionsleiter Teske in den Ausführungen. Inhaltliche Duelle blieben jedoch weitgehend aus. Auch eine gegenseitige Weiterentwicklung einzelner Ansätze unterblieb in der fast dreistündigen Diskussion.

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