Von Woche zu Woche

Y-Trasse: Der Norden geht auf die Barrikaden

20 Jahre lang gab es Zoff um die Y-Trasse bei Walsrode und Bremen – mit dem Ergebnis, dass die Gegner sich erfolgreich zur Wehr setzten. Auch im westlichen Landkreis Uelzen rüsteten die Bürgerinitiativen lautstark auf, als eine Güterbahnstrecke nunmehr durch ihr Territorium geplant werden sollte.

Ines Bräutigam

Ebenfalls mit Erfolg. Wer nun meint, dass eine Entscheidung sang- und klanglos akzeptiert wird, die nach einem halben Jahr Gesprächen in einem Bürgerbeteiligungsforum von überwiegend jenen befürwortet wurde, die von einem dritten Bahngleis gar nicht betroffen sein werden, sieht sich schief gewickelt. Eine Informationsveranstaltung mit dem Verein „Anwohner gegen Ausbau Deutsch Evern 21“ (AGADE 21) am Donnerstagabend in Bad Bevensen hat einen Vorgeschmack davon gegeben, dass auch der Nordkreis keinesfalls gewillt ist, sich wehrlos seinem Schicksal zu ergeben. Das hatte man sich in manchen Runden sicher anders gedacht.

Wie verbindlich und haltbar am Ende das Votum eines Dialogforums sein kann, dessen Ergebnis allein schon aus gesamtwirtschaftlicher und nicht zuletzt auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum mehr haltbar ist, aber offenbar auf Teufel komm raus und gegen den klaren Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden soll, werden die nächsten Wochen zeigen. Immerhin werden zwischen Lüneburg und Uelzen etwa 100 000 Haushalte von einem dritten Gleis direkt betroffen sein.

„Das Bessere ist des Guten Feind“, heißt es so schön. Und so wäre es keine Schande, eine zunächst vielleicht gut anmutende Lösung durch eine möglicherweise bessere zu ersetzen. Oder ihr zumindest eine faire Chance einzuräumen. Im Gegenteil: Es zeigte, dass Bürgersorgen wirklich ernst genommen würden, dass konstruktive Vorschläge Gehör fänden. Denn die Aufforderung der inzwischen Protestierenden, auch den Bau einer Trasse entlang der Autobahn 7 zu bauen, wäre ein solcher.

Und nicht zuletzt war es auch Kirsten Lühmann, Bundestagsabgeordnete für die SPD und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, die bei einer Informationsveranstaltung im Februar in Bad Bevensen auf Nachfrage einräumte: In der Tat, eine Prüfung einer Güterbahntrasse entlang der Autobahn 7 habe es nie gegeben. Warum nicht? Niemand wisse das so recht.

Von Ines Bräutigam

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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