Nach jahrelangem Konflikt zu Bahntrassen

Y-Trasse: Ausbau des Gleisnetzes soll reichen

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Er hatte das Dialogforum in Celle angeschoben und wurde gestern von Mitgliedern der Bürgerinitiativen rund um die Bahntrassen-Pläne herzlich begrüßt: Verkehrsminister Olaf Lies.

Celle/Uelzen. Über Jahrzehnte schwelte der Konflikt zwischen Bahn und Bürgern. Die Pläne für die Y-Trasse, die ihren Namen ihrer Form verdankt, erregte die Gemüter entlang der geplanten Route.

Mit den von der Bahn erarbeiteten Alternativen, unter anderem Neubautrassen durch den Landkreis Uelzen, erhob sich schließlich der gesamte Nordosten der Heide. Die Fronten waren derart verhärtet, dass eine Einigung unmöglich schien. Bis gestern.

Ein von Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) initiiertes Dialogforum mit Kommunen und Bürgerinitiativen ging in Celle mit der Empfehlung zu ende, dass statt der befürchteten Neubautrassen auch ein Ausbau bestehender Strecken reicht, um die wachsende Zahl von Güterzügen aus Hamburg und Bremerhaven Richtung Süden abzufahren. Die Bahn hatte dies jahrelang bestritten, hält dies nun aber für einen vorerst gangbaren Weg.

Die von einer Mehrheit vom Forum empfohlene Lösung, die sogenannte Alpha-Variante, sieht unter anderem die Elektrifizierung der Amerika-Linie auf der Strecke von Langwedel nach Uelzen vor, die Bestandsstrecke von Lüneburg nach Uelzen soll um ein weiteres Gleis ergänzt werden. Zudem sollen die Züge auf Trassen in kürzeren Abständen zueinander fahren können. Damit steigen die Gleiskapazitäten.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, kündigte an: Der Bund nehme die Ausbauvariante komplett in den neuen Bundesverkehrswegeplan auf. „Das Y ist damit tot mit der heutigen Zusage von mir.“ Der Applaus der Neubautrassengegner war ihm damit sicher.

Aus der Uelzener Region gab es gestern Lob für das Ergebnis: „Im bundesweit beispielhaften Dialogforum Schiene Nord hat die überwältigende Mehrheit von Bürgerinitiativen, Landkreisen, Kommunen und Verbänden gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG eine intelligente Schienenwege-Ausbaulösung erarbeitet, welche die wachsenden Kapazitätsanforderungen der Seehäfen löst, die Interessen von Region und Umwelt wahrt und den Bahn-Anwohnern einen Anspruch auf einen deutlich verbesserten Lärmschutz sichert“, so Eckehard Niemann für den Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. Die hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann erklärte: „Kommunen, Bürgerinitiativen und Verbände, die sich gemeinsam für diese sinnvolle Lösung stark gemacht haben, gebührt großer Dank! Das viel zu häufig gerade bei Auseinandersetzungen um Verkehrsprojekte vorherrschende „St.-Florians-Prinzip“ spielte hier vom ersten Dialogtermin an keine Rolle mehr.“

Nicht gelungen ist es dem Forum aber, die Kritik von Hafenwirtschaft, Industrie und Verkehrsverbänden angemessen zu berücksichtigen, die die gefundene Alpha-Ausbauvariante zwar mittragen, zusätzlich aber als künftige Ergänzung eine Neubautrasse entlang der Autobahn 7 von Hamburg Richtung Hannover in Erwägung ziehen. Die Stadt Hamburg sowie der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) legten deshalb eine eigene Abschlussempfehlung vor. Hans-Christian Friedrichs vom VCD hatte die Haltung gestern mit Berechnungen und einem Gutachten des Bundes begründet, wonach nicht alle erwarteten Gütermengen mit der Alpha-Lösung abgefahren werden könnten. Damit würden Güter auf die Straße verlagert.

Auch die niedersächsischen Seehäfen und der Industrie- und Handelskammertag forderten als Option weiter eine Neubautrasse. Kritik an der Alpha-Variante kam auch aus Schleswig-Holstein, wohin etliche Züge nach dem Konzept ausweichen sollen.

Von Norman Reuter und Michael Evers, dpa

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