Wulff drückt auf die Tube

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. Mit dem Titel "Paradies" trommelte das Schlagzeugensemble "Drumherum" am Mittwochabend die Sommerfest-Gäste des Landkreises zusammen. Und auch der Festredner gab anschließend den Takt vor – so offensiv hatte sich Ministerpräsident Christian Wulff zuvor noch nicht für eine Neuordnung der niedersächsischen Landkreis-Karte positioniert wie an diesem Abend (AZ berichtete).Dezent verpackt machte Wulf deutlich, dass die paradiesischen Zeiten vorbei sind. Wer genau hingehört hat, dem konnte die Botschaft nicht verborgen bleiben: Wer nicht freiwillig zukunftsfähige Einheiten schafft, muss am Ende mit dem leben, was andere für gut befinden.

Die christdemokratischen Funktionsträger an der Basis haben den Kurswechsel sachte, aber konsequent vollzogen. Eine Über-Lebensversicherung für Uelzen würde bei der CDU keiner der lokalen Aktivposten mehr abschließen. Mit ihrem Vorstoß, über ein weitgehend vom Land finanziertes Gutachten die Optionen für eine Fusion mit Lüchow-Dannenberg auszuloten, stellt sich die CDU-Kreistagsfraktion sogar gegen Landrat Theodor Elster – was in der Uelzener Kreispolitik eher Seltenheitswert hat.Der Ministerpräsident geht sogar noch weiter und benutzte beim Appell zur Zusammenarbeit bewusst den Plural. Das geht jedoch auch seiner Basis zu weit.Wenn man Uelzen als Gebilde erhalten will, führt ein Weg an Lüchow-Dannenberg nicht vorbei. Eine noch größere Kooperation schafft eine Randlage und führt zu noch mehr Bedeutungsverlust – auch eine Zersplitterung des Kreises ist bei Planspielen einer Groß-Lösung nicht ausgeschlossen.Wer also viel retten will, sollte vorne dabei sein – in der Hoffnung, dass das Land den Willen zur Bewegung und zu zukunftsfähigen Strukturen dann auch ausreichend honoriert, bevor sich auch der Rest auf den Weg macht. Wulff hat deutlich zu mehr Tempo aufgerufen. Und er hat auch eingeräumt, dass ein Grund der Misere die schlechte finanzielle Ausstattung der Kommunen durch das Land ist. Wenn seine Landesregierung hier nicht erkennbar nachjustiert, macht ein neues Gebilde wenig Sinn. Auch das wird und muss das Gutachten ergeben.Die SPD ist in dieser Debatte ohnehin in der Defensive. Unter ihrem Ministerpräsidenten Gerhard Schröder gingen die Zuweisungen zurück. Und die unter ihrer Ägide eingeführte "Region Hannover" gilt heute nicht als mehr Muster, sondern eher zur Abschreckung.Nächsten Mittwoch ist der Ministerpräsident beim Sommerfest des "etwas bunteren" Landkreises Lüchow-Dannenberg. Es sieht ganz danach aus, dass der Landesvater bewusst zu seinen Problemkindern reist, um in sommerlicher Atmosphäre frischen Wind in die Debatte zu bringen.Offen gesagt: Mehr Farbe kann Uelzen nur gut tun.

Erschienen: 20.06.2009: AZ / TZ / Seite:5

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