Wulff ist Bundespräsident

Der unterlegene Kandidat Joachim Gauck (r.) war einer der Ersten, die Christian Wulff zur Wahl zum Bundespräsidenten gratulierten.

ap/bo Berlin/Wittingen. Das war eine schwere Geburt: Deutschland hat seit gestern Abend, 21.15 Uhr, einen neuen Bundespräsidenten. Der Kandidat von CDU/CSU und FDP, Christian Wulff, setzte sich erst im dritten Wahlgang gegen Joachim Gauck durch, den SPD und Grüne ins Rennen geschickt hatten. Nach dem zweiten Wahlgang war die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, nicht mehr angetreten.

Im ersten Wahlgang fehlten Wulff 23 Stimmen, im zweiten waren es immer noch 8 – und das, obwohl das ihn stützende Lager mit 644 Sitzen in der Bundesversammlung über eine komfortable Mehrheit verfügte. 623 Stimmen hätten zur absoluten Mehrheit gereicht. 625 schaffte Wulff dann im dritten Wahlgang, in dem sich die Delegierten der Linken offenbar weitgehend enthielten.

So bewahrheitete sich wohl die Ankündigung vieler Wahlleute aus den Reihen von Union und Liberalen, nicht für den eigenen Kandidaten zu stimmen. Die Wahl war im Vorfeld von vielen Beobachtern als „Schicksalswahl“ für die Regierungskoalition gewertet worden.

Die Erleichterung war nach der Wahl bei Schwarz-Gelb spürbar. Wulff wurde im Plenarsaal minutenlang gefeiert. Bundestagspräsident Norbert Lammert verkündete dann, dass Wulff sein Amt als Niedersächsischer Ministerpräsident niedergelegt habe. Der 51-Jährige nahm die Wahl „aus voller Überzeugung“ an. Er freue sich auf die verantwortungsvolle Aufgabe.

Um 21.33 Uhr endete mit der Nationalhymne die mit über neuneinhalb Stunden längste Bundesversammlung der Geschichte, die Lammert um 12 Uhr eröffnet hatte.

Unter den 1244 Delegierten der Bundesversammlung waren auch vier Politiker, die den Landkreis Gifhorn auf Landes- oder Bundesebene vertreten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil war nach der Wahl für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Abend hatte der SPD-Fraktionsvize die Nominierung Gaucks gegenüber dem TV-Sender Phoenix schon vor dem dritten Wahlgang als Erfolg bezeichnet. Ewa Klamt (CDU), seit Mai als zweite Abgeordnete aus dem Wahlkreis Gifhorn/Peine im Bundestag, stimmte durchgehend für Wulff. Zu der langwierigen Wahl sagte sie: „Was kann einer Demokratie Besseres passieren, als zwei kompetente Kandidaten im Rennen zu haben?“

Die CDU-Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp, als Wahlfrau in die Bundesversammlung berufen, gab Wulff in allen drei Wahlgängen ihre Stimme. Sie schätzte, dass aus der Koalition mancher eine „offene Rechnung begleichen“ wollte.

Der Gifhorner Landesparlamentarier Matthias Nerlich (CDU), ebenfalls in die Bundesversammlung berufen, meinte, durch die Wahl sei die Vermutung widerlegt worden, dass die Wahlleute nicht frei entscheiden dürfen. Freilich habe er sich ein deutlicheres Ergebnis für Christian Wulff gewünscht. Er selbst habe den Parteifreund in allen drei Wahlgängen gewählt.

Die niedersächsischen Landesparlamentarier hatten es nach der Bekanntgabe des Ergebnisses relativ eilig, zurück in die Heimat zu kommen – in Hannover wird heute der neue Ministerpräsident gewählt.

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