Würde geben und Angst nehmen

153 Patienten wurden im Laufe des vergangenen Jahres in der Palliativstation betreut. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Barbara Kaiser. „Nicht ohne Stolz präsentiere ich Ihnen hier Zahlen und Fakten“, sagte Dr. Wolf-ram Panzer, der Chef der im März 2009 neu eröffneten Station für Palliativmedizin im Klinikum Uelzen, die am Sonnabend ihren ersten Jahrestag mit einem Symposium beging. Gesprochen wurde dort über Erfahrungen und den erbrachten Gewinn – wobei nicht der in Geldwert gemeint ist –, den die Arbeit für die Mitarbeiter des „Orchesters, in dem jeder Einzelne mit dem anderen harmonisch spielt“, bedeutet. Das sagte Dr. Ulrike Heesemann, Chefärztin der Neurologie und stellvertretende ärztliche Direktorin der Klinik, in ihrer Begrüßung.

Es gab ein ungeheuer großes Maß an Informationen aus der Sicht von Ärzten, Physio- und Psychotherapeuten, Seelsorgern und Betroffenen. „Voller Dankbarkeit“ für deren Einsatz zeigte sich Regine Piotrowski, die als Tochter ihre Mutter in der Obhut der Station weiß, immer wenn es nötig ist. „Wir können jederzeit um Rat fragen und um Hilfe bitten“, sagte sie.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurden insgesamt 153 Patienten betreut, resümierte Dr. Panzer. „Wir werden als Team wahrgenommen“, ergänzte er und war nicht der einzige Redner, der sich ausdrücklich für die gedeihliche Arbeit beiallen Mitarbeitern bedankte. Gerade die ganz jungen, engagierten Angestellten seien ein geradezu genialer Kontra-punkt zu den oft betagten Patienten.

Zuwendung sei das A und O; auf dieses Fundament stellten die Rednerinnen der Physiotherapie ihre Ausführungen und erläuterten verschiedene Momente der Arbeit. Das eigene Leben resümieren, sich seiner selbst vergewissern, sich bejahen und annehmen – zu dieser Quintessenz der Arbeit kam Pastorin und Klinikseelsorgerin Christine Ehlbeck in ihrer Rede. „Ich fühle mich durch das Vertrauen der Patienten oft beschenkt“, sagte sie.

Aus Göttingen war Dr. Nina Eulitz, Oberärztin der dortigen Palliativstation, angereist. Sie wertete die Erfahrungen in der Palliativmedizin mit Kindern aus. Der Umgang mit Patienten zwischen null und 18 Jahren sei nicht übertragbar auf den mit Erwachsenen, aber: „Es ist unglaublich bewundernswert“, wie die Kinder ihre „lebenslimitierende Erkrankung“ annehmen. In Hannover entsteht zurzeit ein Koordinierungsbüro, ein „Netzwerk zur Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher“, erreichbar unter Telefon (05 11) 5 32 89 80, wohin sich betroffene Familien und Leistungserbringer gleichermaßen wenden können.

Die Palliativstation sei „keine Sterbestation, sondern Rettungsanker“, hatte Dr. Heesemann betont. Denn seit die maximal technisierte Medizin hinterfragt wird, gehe es darum, den Patienten Würde zu geben und die Angst vor Schmerzen und Tod zu nehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare