Das Wort zum Sonntag

Fassungslosigkeit

Fassungslos saßen wohl die meisten von uns in dieser Woche vor den Nachrichten. Die schrecklichen Entwicklungen rund um den Absturz des Flugzeugs der Germanwings machten viele betroffen.

Unfassbar ist die Vorstellung, dass ein Unglück plötzlich eine gesamte Klasse auslöschen sollte und das auch noch durch die Tat eines Einzelnen.

Davon berichten zumindest die Medien, während ich über dieser Andacht sitze. Da warten am Zielflughafen Menschen auf ihre Freunde, auf ihre Kinder, auf ihre Eltern, auf die Geschwister. Sie warten auf Menschen, die neue Erfahrungen gemacht haben, und alle freuen sich auf die Berichte von dem Erlebten. Willkommensschilder sind vielleicht gebastelt und Begrüßungschoreographien einstudiert worden.

Doch zu diesem Zeitpunkt sind die Liebsten bereits tot. 150 Menschen fehlen plötzlich und kommen nie wieder. Das ist schlimm, und zum Glück ist für die meisten die Dimension dieser Katastrophe nur schwer fassbar.

Die Halterner Zeitung, die Stadt, in der die 16 Schülerinnen und Schüler zur Schule gingen, hat in dieser Woche eine große Traueranzeige geschaltet: „(...) Wir können unseren Schmerz und unsere Betroffenheit nicht in Worte fassen. Wir sind fassungslos.“ Angesichts der Katastrophe fehlen Worte, um das Unfassbare fassbar zu machen.

Das Leid und die Ungewissheit dieser Menschen lässt sich nicht in Worte fassen. Die Hoffnung der Angehörigen bleibt einsam zurück, als sie die Nachricht des Unglücks erreicht. Zunächst bleibt einfach nur die Ungewissheit, wie das Leben der 150 verunglückten Menschen endete. Ungewissheit wird zu einer unfassbaren Qual.

Woher soll wieder Licht in das Leben kommen, wenn die Freude und die Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen in der Katastrophe unterging?

In der Woche vor Ostern fühlen wir mit diesen Menschen. Eine Woche, in der der Tod in unseren Kirchen eine besondere Rolle spielt und großen Raum einnimmt.

Bei Passionsandachten und am Karfreitag denken wir an den Schmerz des Todes. Hier in diesem unfassbaren Unglück wird dieser Schmerz greifbar – die Fassungslosigkeit und die Qual der Ungewissheit angesichts eines nicht zurückholbaren Verlustes.

Tobias Heyden ist Vikar in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bienenbüttel.

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