Wort zum Sonntag

Ich glaub’, ich träume

Haben Glauben und Träumen etwas miteinander zu tun? Wenn ein Glaube kraftvoll sein soll, dann muss er auf einer starken Vision beruhen, oder? Ein reiner Kopfglaube hat diese Energie nicht zu bieten, das dürfte klar sein. Wer in sich keine konkreten Bilder von erneuerten Menschen und liebevollen Beziehungen trägt, der wird sich zu schnell mit dem Status quo einer Gesellschaft abfinden.

Von der Macht guter Träume hat der schwarze Baptistenprediger Martin Luther King die Welt vor 50 Jahren überzeugt. Am 28. August 1963 hielt er vor dem Lincoln-Denkmal in Washington eine Rede mit dem berühmten „I have a dream“. Seine Vision von einer versöhnten Welt ging in die Geschichte ein. Offensichtlich gab dieser Traum dem Bürgerrechtler auch die Energie, gewaltlos für den Frieden zwischen Schwarz und Weiß zu kämpfen.

Man spürt seinen Worten diese Kraft noch heute ab: „Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.

Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, gemeinsam zu arbeiten, gemeinsam zu beten, gemeinsam zu kämpfen.“

Wer will nach solchen Worten kraftvolle Träume belächeln oder kleinreden? Von den Propheten der Bibel angefangen haben Menschen gute Träume gehabt, die offensichtlich durch den guten Geist Gottes hervorgebracht worden sind. Und Jesus von Nazareth hat uns die Vision von Gottes Friedensreich hinterlassen, die seine Nachfolger bis heute bewegt. Man darf seine Hoffnungen nur nicht von seinen Enttäuschungen besiegen lassen. Darauf kommt es an!

Rainer Döllefeld ist Pastor der EFG Friedenskirche Uelzen.

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