Das Wort zum Sonntag

Das Wasser, Schwester des heiligen Franz von Assisi

Wasser. Es ist die Grundlage allen Lebens und unersetzlich. Dass wir ohne Wasser nicht überleben können und welche Konsequenzen dieses Wissen für die Bewahrung unserer Umwelt hat, wird uns Menschen zunehmend, mehr oder weniger schmerzlich, bewusst.

Schon in der Bibel ist das Wasser ein Bild für die Wiege allen Lebens, aber auch zerstörerische Kraft, die alles Bestehende vernichten kann. Man kann sagen, dass das Wasser untrennbar mit dem irdischen und dem übernatürlichen Leben des Menschen verbunden ist. Der heilige Franziskus von Assisi drückt sein Staunen für die Gabe des Wassers im 13. Jahrhundert mit den freudig-dankbaren Worten aus: „Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.“

Franziskus verstand sich als Bruder aller Geschöpfe, auch des Wassers, und sprach von seiner Schwester in schlichten, liebevollen und ehrfürchtigen Worten. Und sein Lob richtet er an den Urheber aller Wunderwerke, den unsichtbaren Schöpfer, der sich in seinen Geschöpfen zu erkennen gibt.

In einer Zeit, in der vom Schöpfer kaum noch die Rede ist, klingen solche Worte wohl fremd und fern. Doch angesichts globaler Verwüstungen unserer geschundenen Erde klingen sie auch wie ein durchdringender Appell an unsere Vernunft: die Grundlagen unseres Lebens sind nicht nur „nützlich“, sie sind unendlich „kostbar“.

Im Zeichen des Wassers wird uns der Zugang in diese wunderschöne Welt, die Jesus als Reich seines Vaters bezeichnet, ermöglicht. Ist uns bewusst, welch große Würde wir in der Taufe empfangen haben? Wenn wir unsere Mitmenschen als Brüder und Schwestern ansehen, wenn wir mit der Umwelt liebevoll umgehen, dann sind wir wirklich Kinder Gottes. Dazu sind alle Menschen berufen.

Im Evangelium finden wir die Worte: Wenn der Herr in seiner Herrlichkeit kommen wird, werden alle „vor ihm zusammengerufen“ (vgl. Mt 25,32) – auch diejenigen, die Christus zwar nicht persönlich kennengelernt, aber so gut wie möglich diese Welt „demütig“ und ihre Geschwister liebevoll angesehen haben. Denn wir alle sind Kinder Gottes.

Pater Piotr M. Stepniak ist Kaplan der katholischen Kirchengemeinde Zum göttlichen Erlöser Uelzen.

Von Pater Piotr Stepniak

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