Wort zum Sonntag

Anna begrüßt Alphabetisierung

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Mathias Dittmar

Ein „Grußwort“ von Anna, der Mutter von Maria und Großmutter von Jesus von Nazareth – verfasst von Mathias Dittmar: Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich!

Vor gut 2000 Jahren habe ich erlebt, wie wissbegierig meine kleine Tochter Maria immer wieder eine Schriftrolle zu sich hinzog, um die darauf geschriebenen Worte zu entziffern. Ich ließ sie gewähren. Und jedes Mal musste ich lächeln, wenn sie mit ihren kleinen Fingern den einzelnen Buchstaben folgte. Mit der Zeit entdeckte sie die einzelnen Wörter und schließlich den Sinn ganzer Sätze. Dabei wurde Maria immer sicherer, nicht nur beim Lesen. Es war nicht selbstverständlich, dass einfache Menschen Lesen lernen durften. Schon gar nicht Mädchen. Das hat sich an manchen Orten bis heute nicht geändert. Nicht nur in Afghanistan kann die Fähigkeit, lesen zu können besonders für Mädchen und Frauen lebensgefährlich sein. Als Martin Luther vor 500 Jahren mit der Bibel auch Sätze meiner Tochter Maria wie „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ vom Lateinischen ins Deutsche übersetzte, tobten die Herrscher und Reichen vor Wut. Gott sei Dank hielten immer mehr Menschen den Schlüssel zur Welt in der Hand. „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ ist auch das Motto einer Ausstellung während der Uelzener Tage der Alphabetisierung: Wer Lesen und Schreiben gelernt hat, kann einen Vertrag verstehen oder einen Liebesbrief. Ich kann meine Rechte lesen oder schlicht eine Gebrauchsanweisung. Ich kann Wege zu einem Ziel finden. Zum Beispiel zur Kathedrale von Quimper in der Bretagne, wo ein Bildhauer Maria und mich abgebildet hat bei einer kleinen Lesestunde. Und dann lese ich, 7,5 Millionen Menschen in Deutschland können nur unzureichend lesen und schreiben. Davon 7.600 allein im Landkreis Uelzen! Meine Tochter hatte mit 6 Jahren Lesen gelernt. Mein Enkelsohn Jesus legte mit 12 Jahren Texte des Alten Testaments aus. Der Apostel Paulus hat in etlichen Briefen von Glauben, Liebe und Hoffnung geschrieben. Gut, dass Menschen immer wieder daran erinnern, dass Lesen können ein Menschenrecht ist. Ich freue mich über die Uelzener Tage der Alphabetisierung und hoffe, dass im Landkreis Uelzen bald 7.600 Menschen mehr lesen und schreiben können. Sie haben ein Recht dazu! Eure Anna

Mathias Dittmar ist Pastor in Suderburg.

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