Das Wort zum Sonntag

Rituale

Was macht für Sie den Sonntag zum Sonntag? Manche sagen: „Natürlich der Gottesdienst. Da komme ich zur Ruhe und kann Kraft tanken für die neue Woche."

Andere denken an Frühstück und Sonntagsbraten im Familienkreis: „Sonntags wird bei uns gemeinsam gekocht und gegessen, da sitzen mal alle an einem Tisch. “ Ausschlafen, spazieren gehen, den „Tatort“ gucken. . . Wie würden Sie antworten? Jeder von uns hat seine Sonntagsgewohnheiten, die dem Wochenverlauf eine Unterbrechung geben. Und auch diejenigen, die am Sonntag arbeiten müssen, finden ihre Rituale, den Arbeitsalltag einmal in der Woche zu unterbrechen. Rituale strukturieren unseren Alltag, ob am Frühstückstisch (Zeitunglesen/ Frühstücksei) oder im Kinderzimmer (Vorlesen, Beten und Segnen am Abend). Rituale markieren bestimmte Stationen auf unserem Lebensweg: Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung. In vielen Familien gibt es feste Rituale an Geburtstagen, Festtagen oder Jahreszeiten wie Weihnachten oder Ostern. Die Sehnsucht nach Ritualen ist groß. Auch ganz junge Leute berichten gern davon: Alles muss stimmen – bei allen unterschiedlich, aber jedes Mal gleich. Die Vorfreude ist intensiv, das Erleben und auch das Nacherzählen. Die Rituale im Alltag, im Jahres- oder Lebenslauf folgen einer klaren Ordnung. Sie vermitteln Sicherheit und Geborgenheit, Halt und Orientierung. „Von der Wiege bis zur Bahre“ begleiten sie uns auf unserem Lebensweg. „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, umso glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll. . . Es muss feste Bräuche geben. “ „Was ist ein fester Brauch?“ fragte der Kleine Prinz im gleichnamigen Büchlein von Antoine de Saint Exuperie. „Auch etwas in Vergessenheit Geratenes“, sagte der Fuchs. „Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von den anderen Stunden. . . “ Rituale sind wichtig, wenn man sie gemeinsam pflegt. Sie unterbrechen den Alltag und verleihen den besonderen Momenten eine Würde, die auch den Alltag trägt. . .

Von Astrid Neubauer

Astrid Neubauer ist Schulpastorin am Herzog-Ernst-Gymnasium Uelzen.

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