Wort zum Sonntag

Für andere Menschen da sein

Im Alter von 15 Jahren wurde sie als Model entdeckt. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: sie erhielt Aufträge für alle namhaften Magazine, auch für den Playboy.

Sie war Moderatorin beim Musiksender MTV, führte durch die erste Staffel von „Big Brother“, verdiente sehr viel Geld und war in der Welt der Prominenten und des Glamours zuhause.

Dann erkrankte ihre geliebte Oma Ilse. Demenz. Sophie Rosentreter, „das schönste Gesicht von MTV“, verabschiedete sich von ihrem bisherigen Leben, um nun ganz für ihre Oma da zu sein. Sieben Jahre lang hat sie zusammen mit ihrer Mutter die Oma zuhause gepflegt, bis es nicht mehr ging, bis eine Unterbringung im Pflegeheim unumgänglich war.

Die Enkelin sagt: „Dass Omi ins Heim kommt, das war für uns ganz grausam. Weil wir dieses schlechte Gewissen mit uns getragen haben, gedacht haben: Wir sind keine guten Menschen. Jetzt weiß ich: Es war wichtig, Omi dahin zu bringen, für uns, aber auch für Omi“.

Bei der Beerdigung ihrer Oma – zwei Jahre nach dem Heimaufenthalt – lernt Sophie Rosentreter einen Mitgründer der Alzheimer-Gesellschaft kennen. Es entstand die Idee, Filme für Menschen mit demenziellen Veränderungen zu produzieren. Sophie Rosentreter sagt: „Im Heim habe ich immer wieder gesehen, wie Menschen vor dem Fernseher geparkt wurden. Dabei ist alles, was dort läuft, viel zu schnell für sie.“

Sophie Rosentreter kündigt ihre Stelle als Redakteurin beim Fernsehen und gründet ihr eigenes Sozialunternehmen. Fortan möchte sie sich ganz und gar dem Thema Demenz widmen: mit ihren Filmen, mit Vorträgen, mit diesem großen Enthusiasmus und Engagement, für Menschen mit Demenz da zu sein, sie und ihre Angehörigen zu begleiten. Ganz unspektakulär tut sie das und sehr liebevoll. Sophie Rosentreter sagt: „Ich glaube, dass die Demenz unsere Gesellschaft zum Positiven verändern wird. Dass sie uns lehren wird, uns zu kümmern“.

Im Psalm 71 bittet ein Mensch: „Verwirf mich nicht in meinem Alter. Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“. Diese Bitte richtet sich an Gott. Und Menschen wie Sophie Rosentreter stehen dafür ein, dass sie gehört und erfüllt wird. 

Anne Stucke ist Pastorin der Kirchengemeinde Ebstorf

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