Wort zum Sonntag

Wie Tim

Ich hatte ihn gleich gesehen. Er war kurz vor dem Ende des Glockengeläuts in die Kirche gekommen und hatte sich in eine der vorderen Bänke im Mittelschiff gesetzt. Im April war er – nennen wir ihn Tim – hier in der Klosterkirche konfirmiert worden, und jetzt kam er an einem Sonntag mitten in den Sommerferien in den Gottesdienst.

 Das geschieht nicht oft, dass Jugendliche so bald nach ihrer Konfirmation am Sonntag in der Kirche auftauchen. Wie selbstbewusst Tim in diesen wenigen Wochen geworden war, wie gut er mit den Ritualen vertraut war. Beim Friedensgruß war er es, der auf die Frau an der anderen Seite der Bank zuging und ihr die Hand reichte. Bei der Verabschiedung an der Kirchentür sagte ich ihm, dass ich mich gefreut habe, ihn hier wiederzusehen. Darauf antwortete Tim: „Das war ja nun auch mal langsam Zeit, um Danke zu sagen.“ Als ich ihn fragend anschaute, fügte er hinzu: „Na, für die guten Zensuren in meinem Zeugnis.“

Diese Antwort hat mich umgehauen und berührt. Da bringt ein junger Mensch das, was ihm in seinem Leben widerfährt, die guten Noten in seinem Schulzeugnis, für die er selbst ja wohl auch einiges getan hat, mit Gott in Verbindung und vergisst nicht den Dank. Im Epheserbrief schreibt der Apostel: „Sagt Dank Gott allzeit für alles“.

Danke Gott, für mein Leben. Danke für Arbeit und Freizeit, danke, dass wir behütet aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, danke, dass mein Kind eine Ausbildungsstelle bekommen hat, danke, dass eine schwierige Geburt am Ende doch gut verlaufen ist, Mutter und Kind gesund sind, danke, dass eine Krankheit überwunden ist, danke, dass nach einer Krise wieder Lebensmut und Hoffnung in mir sind. Es gibt so vieles, wofür wir danken können, Gott danken können, wir müssen es nur erkennen – wie Tim..

Pastorin Anne Stucke ist Pastorin in der Kirchengemeinde Ebstorf.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze / phs-foto.de

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