Wolfsrisse bei Ellerndorf und Brockhöfe mit "neuer Qualität"

Wolf zerbeißt Elektrozaun und reißt Ziegen: "Bundesweit einmalig" 

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Schäfer Gerd Jahnke mit einer der drei Ziegen, die ein Wolf auf seiner Weide auf dem Rheinmetall-Gelände bei Ellerndorf angegriffen hat. Auch drei Schnuckenlämmer sind tot.

Ellerndorf/Bahnhof Brockhöfe. „Das ist eine ganz neue Qualität“, sagt Schäfer Gerd Jahnke und schüttelt ungläubig den Kopf. Ein Wolf hat in der Nacht zu Donnerstag drei Ziegen und drei neugeborene Schnuckenlämmer auf Jahnkes Weide auf dem Rheinmetall-Schießgelände bei Ellerndorf angegriffen. 

Das Besondere daran: Erstmals zerbiss der Wolf einen stromführenden Zaun, um auf die Weide zu gelangen.

Die Ziegen und eines der Lämmer waren so schwer verletzt, dass Jahnke sie mit einem Kehlschnitt erlösen musste. Zwei weitere Lämmer waren bereits tot. Auch für Wolfsberater Theo Grüntjens ist der Vorfall ungewöhnlich. „Ich habe bundesweit noch nicht gehört, dass ein Wolf einen Elektrozaun durchgebissen hat“, sagt er. In Bahnhof Brockhöfe schlug das Raubtier ebenfalls zu.

Strom konnte Wolf nicht stoppen

Schäfer Gerd Jahnke und Mitarbeiterin Nancy Denecke mit zwei vom Wolf angegriffenen Schnuckenlämmern. Das Muttertier beschnuppert seinen toten Nachwuchs.

Auch Herdenschutzhund Pontos und Eselin Emma konnten nichts gegen den nächtlichen Angreifer ausrichten. Er kam aus der Dunkelheit, zerbiss die stromführenden Drähte des 90 Zentimeter hohen Weidezauns und fiel über drei Ziegen und drei Heidschnuckenlämmer her, die auf dem Rheinmetall-Schießgelände bei Ellerndorf standen. „Ich kann es nicht begreifen“, sagt Schäfer Gerd Jahnke, als er gestern auf die Kadaver blickt. „Die Lämmer wurden letzte Nacht geboren und durften den Sonnenaufgang nicht mehr erleben.“ 

Zum wiederholten Mal ist Jahnke, der die Glockenbergschäferei in Eimke betreibt, vom Wolf heimgesucht worden. Allein sechs Angriffe mit Rissen gab es auf seine Herde in Südergellersen, zuletzt im Dezember 2016. In der Nacht zum Donnerstag wurde erstmals seine Schnucken- und Ziegenherde auf dem Rheinmetall-Gelände attackiert.

„Pontos und Emma haben vielleicht Schlimmeres verhindert“, meint Jahnke. Er glaubt, dass es sich nur um einen einzigen Wolf handelte, „sonst wären es mehr Risse gewesen“. Jahnke wundert sich, dass das Raubtier nur zugebissen, nicht aber gefressen hat. Alarmiert ist der Eimker, weil erstmals ein Wolf einen Elektrozaun durchgebissen hat. „Das war heute, doch was ist morgen?“, blickt er besorgt in die Zukunft. 

Er hat sich jetzt entschlossen, den Schutz für seine 380 Schnucken und 30 Ziegen zählende Herde auf dem Rheinmetall-Gelände zu verstärken. Dazu will er einen weiteren, mehr als einen Meter hohen Stromzaun vor den bestehenden setzen. Außerdem wird Jahnke künftig seinen vier Jahre alten Hund Pollo zum Schutz der Herde einsetzen. Dieser ist erfahrener als der erst einjährige Pontos. 

Die Wolfsrisse bei Ellerndorf waren aber nicht die einzigen in der Nacht zum Donnerstag. Auch auf einer eingezäunten Wiese am Waldrand von Bahnhof Brockhöfe schlug das Raubtier zu, wie Wolfsberater Theo Grüntjens berichtet. Dort wurde aus der Herde eines privaten Halters ein Fleischschaf getötet – ebenfalls durch einen Kehlbiss. Der Angreifer sei vermutlich unter dem Zaun durchgekrochen, glaubt Grüntjens. 

Tierarzt Heiner Schumann (rechts) vom Wolfsbüro des Landes schaut sich mit Wolfsberater Theo Grüntjens den durchgebissenen Elektrozaun an.

Er hat sowohl bei Ellerndorf als auch in Bahnhof Brockhöfe DNA-Proben von den Kadavern genommen. Diese werden nun in einem Labor untersucht, um herauszufinden, ob die Tiere tatsächlich von einem Wolf gerissen wurden. „Es spricht vieles dafür“, sagt Grüntjens mit Blick auf die Bissspuren. Auch Heiner Schumann, Tierarzt im Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), war gestern vor Ort. Er entnahm ebenfalls DNA-Proben und prüfte, wie die Nutztiere geschützt waren. „Eine Auswertung erfolgt zeitnah“, teilt das NLWKN mit.

Von Bernd Schossadowski

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28. Februar 2017:
Dass ein Wolf Menschen so nahe kommt, da ist für Wolfsberater Klaus Bullerjahn klar "eine Grenze überschritten"

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