Fachmann rät zu Strom-Zäunen

Wolf reißt bummelnde Schnucke

+

Uelzen/Landkreis. Erneut hat ein Wolf eine Heidschnucke in der Heideregion gerissen. Der neueste Fall hat sich im Grenzbereich der Landkreise Celle und Uelzen ereignet. Dabei ist ein Tier Opfer des Raubtieres geworden.

Bereits Anfang des Jahres waren vier Schafe in Eimke gerissen worden, ein weiters Tier starb später an seinen Verletzungen.

Der neueste Fall fand nordöstlich von Schmarbeck, etwa zwei Kilometer hinter der Kreisgrenze, statt. Dort soll eine Schnucke, so beschreibt es Theo Grüntjens, Wolfsberater und Rheinmetall-Förster, es nicht rechtzeitig hinter den Zaun der heimischen Wiese geschafft haben. Während die Tiere der Herde gut gesichert hinter einem unter Strom stehenden Zaun waren, hatte das Tier den Anschluss an die Herde verloren. Es war, so der Wolfsberater, „nachgebummelt“ und hatte es nicht mehr ins Gehege geschafft. „Dieses Angebot hat der Wolf gleich genutzt“, so Grüntjens. „Dieser Wolf ist sehr präsent in den vergangenen Wochen“, sagt er. Das Tier sei oft in Fotofallen zu sehen. „Das zeigt, dass er nicht einfach einer der Durchläufer ist“, so Grüntjens. Das Tier sei sehr vital und stark. Vor kurzem hätten Wölfe auch eine Herde Kühe im Landkreis Celle eingekreist und, wie es für die Tiere üblich sei, „angetestet“, um ihre Beutechancen zu ermessen. Die Widerkäuer hätten aber eine Art „Wagenburg“ mit den Köpfen nach außen geformt, um die Raubtiere abzuwehren. So könnten sie sich leicht gegen die viel kleineren Wölfe wehren. „Kühe können Furien werden“, sagt Grüntjens. Nutztiere würden, meint der Wolfsberater, höchstens ein Prozent der Nahrung der Wölfe stellen. Üblicherweise reißen sie Reh- oder Schwarzwild, seltener Rotwild. Gefährlicher für Nutztiere seien immer noch frei laufende Hunde. Um das Risiko eines Risses zu verringern, rät Grüntjens zu einem unter Strom stehenden Zaun, der bis zum Boden reicht.

Wenn es dennoch zu einem Schaden kommt, greift eine Entschädigungsregelung: Ist der Riss durch den Wolf bestätigt, zahlt das Landesumweltministerium den Wert des Tieres zu 100 Prozent. Dies sei eine „Billigkeitsleistung“, so Rudi Zimmeck, Pressesprecher vom Landesumweltministerium – man habe also keinen Rechtsanspruch. Bisher sei jedoch gezahlt worden, wenn es Anträge gab. 5000 Euro sind in diesem Entschädigungstopf. „Für 2014 ist aber eine deutlich höhere Summe in Planung“, sagt er, diese solle in den kommenden Haushalt eingestellt werden. Außerdem sei eine Förderrichtlinie geplant. Enthalten seien darin nach ersten Infos des Ministeriums der Bau von unter Strom stehenden Zäunen und das Halten von Herdenschutzhunden. Wie dies konkret umgesetzt werde, dazu hatte Zimmeck gestern noch keine detaillierten Informationen. Man richte sich nach bisherigen Erfahrungen in den Ländern Brandenburg und Sachsen.

Infos zum Wolf geben Theo Grüntjens unter (0172) 766 88 41 und Klaus Bullerjahn unter (05821) 4 22 93.

Von Kai Hasse

Mehr zum Thema

Kommentare