Raubtier 30 Meter entfernt

Wolf nähert sich Läuferin – Experte: „Eine Grenze überschritten“

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Standbild aus einem Video: Laut Wolfsberater Klaus Bullerjahn war der Wolf 30 Meter entfernt – untypisch für das Tier.

Weste. Nach der Wolfsbegenung bei Weste am Dienstagvormittag ist auch für Wolfsberater Klaus Bullerjahn eine Grenze überschritten: „Es besteht Handlungsbedarf“, betont er auf AZ-Nachfrage. Ein einzelnes Raubtier war direkt auf eine Nordic-Walkerin zugelaufen.

Ein Landwirt kam zufällig mit seinem Trecker vorbei und konnte womöglich Schlimmeres verhindern. Die Entfernung zum Wolf betrug etwa 30 Meter, bestätigt Wolfsberater Bullerjahn. „Alles was unter 100 Meter ist, ist nicht typisch für den Wolf.“

(Hinweis zum Video: Am Anfang des Videos ist das Datum "28. Februar 2016" eingeblendet. Das ist leider falsch. Das Video entstand am 28. Februar 2017. Wir bitten um Entschuldigung.)

Nach dem Vorfall war Bullerjahn selbst vor Ort, um die Entfernung anhand von Spuren im Acker nachzumessen. Aufmerksam auf die Begegnung wurde Bullerjahn durch ein Video, das bereits im Internet kursierte. Es zeigt den Vorfall und die dramatischen Versuche von Manuel Häusler-Schröder, einem Schäfer und Landwirt aus Weste, den Wolf durch lautes Brüllen und Lärm zur Flucht zu bewegen. Die völlig verängstigte Nordic-Walkerin fand Schutz auf seinem Trecker.

Bullerjahn: „Das Tier schien gänzlich unbeeindruckt. Ein Fluchtversuch war jedenfalls überhaupt nicht zu erkennen.“ Würde ein Wolf fliehen, erklärt der Wolfsberater, würde er dies in die entgegengesetzte Richtung tun. Der gefilmte Wolf tat jedoch genau das Gegenteil.

Die Vorgänge um die Wolfsrisse in Oetzendorf im November und in Brockhimbergen im Dezember bezeichnete Bullerjahn bereits als „beobachtenswert“. Nach der Begegnung bei Weste müsse jetzt endlich gehandelt werden. Deswegen habe Bullerjahn noch Dienstagabend ein Protokoll der Vorkommnisse an Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel gesendet.

Schäfer Häusler-Schröder, der die Raubtier-Begegnung nahe Weste mit seinem Handy filmte, befürchtet, dass ihn „jetzt viele böse Nachrichten“ erreichen werden. Von Menschen, „die das herunterspielen wollen“. Aber die seien nun einmal nicht dabei gewesen. „Da ist man einfach voller Adrenalin.“

Von Michael Koch

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