Von Woche zu Woche

Der Wolf und die Emotionen

 Kaum ein lokales Thema hat die Menschen im Kreis Uelzen in den vergangenen Monaten derart bewegt wie die Rückkehr des Wolfes. Zahlreiche Leserbriefe an die AZ zeugen von völlig konträren Meinungen. Anderswo verfolgt man diese Debatte aufmerksam und rät zur Gelassenheit.

So ein ehemaliger Uelzener, der heute in Kanada lebt, eine Autostunde von Vancouver entfernt. „Wenn wir auf der Terrasse grillen, dann kann es schon mal passieren, dass ein Puma oder Braunbär die Witterung aufnimmt und vorbei schaut. Dann gehen wir eben ins Haus“, schildert er.

Nun ist ein Puma kaum vergleichbar mit einem Wolf, doch auch wir werden lernen müssen, zu akzeptieren, dass es letzteren jetzt in unseren Wäldern gibt. Das ist gut und nicht mehr umkehrbar. Das Wichtigste ist nun eine sachliche Aufklärung über dieses Tier – und es muss Schluss damit sein, dass Teile der Politik aus verklärter Naturromantik heraus bis heute nicht in der Lage sind, geeignete Richtlinien zu schaffen.

Weil diese fehlen, können sich auch bei uns jederzeit Situationen abspielen wie jüngst in der benachbarten Altmark, wo ein Wolf angefahren wurde. Anders als bei einem Stück Wild darf ein Jäger das schwer verletzte Tier nicht töten, denn es unterliegt nicht dem Jagd-, sondern dem Naturschutzrecht. Deshalb müsste es von einem Veterinär betäubt, in eine Box verfrachtet und abtransportiert werden – theoretisch. Praktisch müsste der Tiermediziner ein Betäubungsgewehr haben, nachts in die entlegendsten Winkel fahren.... wem ist damit gedient? In vergleichbaren Fällen haben Wölfe ein stundenlanges Martyrium durchleiden müssen, bis sie von ihren Qualen erlöst wurden.

Daher ist es sachlich begründet, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Damit ist er nicht automatisch zum Abschuss freigegeben; aber der nächste Jäger oder Förster könnte entscheiden, ob das verletzte Raubtier eine Überlebenschance hat oder erlöst werden muss. Auch könnte man leichter Ausnahmegenehmigungen erteilen, wenn ein Tier sich in Städten aufhält und verhaltensauffällig ist.

Auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion IUCB ist der Wolf, weltweit betrachtet, nicht gefährdet und sein Populationstrend stabil. Also akzeptieren wir ihn – ohne ihn zu verherrlichen.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare