Arbeitskreis berät über langfristige Lösung der Obdachlosenunterkunft

Wohngruppen statt Böh?

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Zwölf Doppelzimmer und 16 Einzelunterkünfte gibt es derzeit in der Obdachlosenunterkunft „Im Böh“.

Uelzen. Abseits von der Stadt Uelzen leben derzeit 23 Wohnungslose auf einem Gelände zusammen – im Böh.

Ob das langfristig so bleiben oder ob es eine Alternative für Obdachlose geben soll, will eine Arbeitsgruppe herausfinden, in der unter anderem der Sozialpsychiatrische Dienst (SoPD), der Herbergsverein und das Ordnungswesen der Stadt vertreten sind. Das berichtet Wiebke Heger, Sozialpädagogin im SoPD Uelzen, auf AZ-Nachfrage. Am 15. Januar wird sich die Arbeitsgruppe ein erstes Mal treffen. Teilnehmen können Vertreter von beteiligten Institutionen ebenso wie interessierte Privatpersonen, die sich engagieren möchten, erklärt Wiebke Heger.

In der Obdachlosenunterkunft im Böh waren im vergangenen März zwei Personen nach Polizeiangaben nach einem falschen Umgang mit einem Kohleofen durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ums Leben gekommen, kurz darauf appellierte die Stadt verstärkt an die Bewohner, die Kohle-Öfen in den Wohneinheiten fachgerecht zu beheizen. Im April war das Thema im Sozialpsychiatrischen Verband aufgegriffen worden, und auch Mitglieder des städtischen Sozialausschusses hatten die Situation auf dem Gelände hinterfragt. Der Anlass für die Gründung der Arbeitsgruppe sei nicht der Unglücksfall vom vergangenen März, betont Wiebke Heger. Unter dem Stichwort „Inklusion“ will sie das Thema Obdachlosenunterkunft beleuchten.

Auch Bewohner des Böh werden voraussichtlich in die AG einbezogen, da deren Ansichten berücksichtigt werden sollen. „Da gibt es sicherlich einige, die in die Gesellschaft eingegliedert werden möchten, und andere, die es nicht mehr möchten“, erklärt Folke Sumfleth, seit dem 1. Oktober neuer Leiter des SoPD Uelzen. Er war zuvor im Landkreis Harburg Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Dort sei bereits das „Wohn-Coaching“ üblich, für Obdachlose werden Räume verteilt über dem Landkreis angeboten, statt einer großen Unterkunft. In Lüneburg hingegen gibt es beides: Eine Obdachlosenunterkunft in der Altstadt und zusätzlich Wohngruppen, in denen Wohnungslose unterkommen können, erläutert Wiebke Heger.

„Wir treffen uns, um zukünftig mit allen Beteiligten etwas Neues entwickeln zu können.“ Es müssten eine Erhebung unter den Bewohnern durchgeführt und vorhandene Probleme aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Eine Schwäche am Böh sei sicherlich die Situation für Frauen auf dem Gelände, weiß Wiebke Heger. Sie würden sich zwar untereinander sanitäre Anlagen teilen, Übergriffe könnten aber dennoch im Böh nicht ausgeschlossen werden.

Wiebke Heger geht davon aus, dass bis zu 95 Prozent der Menschen im Böh Kriterien für mindestens eine psychiatrische Diagnose erfüllen.

Von Diane Baatani

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