Landkreis Uelzen baut eigene Anlage

Wohin mit dem Schlamm? Aufwendige Entsorgung verzögert Glasfaserprojekt

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In einigen Gebieten, wie hier bei Klein Pretzier, laufen die Bauarbeiten am Glasfasernetz bereits auf Hochtouren. Doch der anfallende Bohrschlamm muss aufwendig entsorgt werden, was zu Verzögerungen führt.

Landkreis. In den Clustern 1 (Bienenbüttel), 2 (Bevensen-Mitte), 4 (Wrestedt) und 6 (Bodenteich) rollen die Bagger schon, im Ausbaugebiet Uelzen laufen die vorbereitenden Maßnahmen:

Der Ausbau des Glasfasernetzes ist in vollem Gange, bereits 560 vorverlegte Anschlüsse – davon 260 direkt ins Haus – kann der Landkreis bereits vermelden. Doch der ursprüngliche, sehr ambitionierte Zeitplan für das Großprojekt lässt sich nicht einhalten.

Marlis Kämpfer

„Die Bauzeiten verzögern sich aufgrund verschiedener Hemmnisse“, gab Marlis Kämpfer, Projektverantwortliche und Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“, jetzt bekannt. Als Pilotlandkreis habe man sich mit zahlreichen Grundsatzfragen auseinandersetzen müssen, die sich erst im Verlauf des Projektes in vollem Ausmaß offenbart hätten. „Realistisch ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Abschluss des Projektes Ende 2019“, gibt Kämpfer den neuen Zeitrahmen vor. Neben dem kalten Winter, europaweiten Materialengpässe – insbesondere bei der Produktion der Lichtwellenleiter – sowie dem Fachkräftemangel in der Tiefbaubranche ist vor allem ein Problem verantwortlich für die Verzögerungen: Der bei den Horizontalbohrungen anfallende Bohrschlamm – auch Bentonit genannt. Konnte dieser vor einigen Jahren noch einfach auf Ackerflächen aufgebracht werden, gilt er seit 2015 bundesweit als Abfall und muss aufwendig entsorgt werden, erklärt AWB-Betriebsleiter Simon Goerge. Gar nicht so einfach, denn pro Meter Bohrung fielen zwischen 20 und 30 Liter zu entsorgender Flüssigkeit an, berichtet Sebastian Stark, Ingenieur bei der Wirtschaftsförderung.

Doch wohin mit dem ganzen Schlamm? Bisher durften nur 100 Tonnen im Entsorgungszentrum Borg zwischengelagert werden, ehe sie zur fachgerechten Entsorgung bis nach Magdeburg transportiert werden mussten. „Das hat die Arbeiten aufgehalten“, sagt Kämpfer. Eine Erhöhung der Zwischenlagerungskapazitäten liege jetzt aber vor, sodass die Baufirmen Bohrungen in größerem Umfang durchführen können.

Die Entsorgung des Bohrschlamms ist aber nicht nur zeitaufwendig, sondern auch kostenintensiv. „Alles in Magdeburg zu entsorgen, würde rund 6 Millionen Euro kosten“, so Kämpfer. Doch auch dafür wurde nun eine Lösung gefunden. In Borg soll noch bis Ende des Jahres eine eigene entsprechende Aufbereitungsanlage entstehen, mit welcher der Bohrschlamm fachgerecht entsorgt und recycelt werden könnte. Grünes Licht gab es jetzt dafür von der Kreispolitik, die Anschaffung der Anlagentechnik läuft. Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf etwa 1,35 Millionen Euro, so Goerge.

Auf den ersten Blick ein großer Schluck aus der Pulle, doch die Anlage rentiert sich im Hinblick auf die anlaufenden Glasfaserprojekte in den Nachbarlandkreisen wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit. „Allein für das Projekt des Landkreises Uelzen gehen wir von Einsparungen von einem hohen sechsstelligen Betrag aus“, erläutert Simon Goerge.

Von Steffen Schmidt

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