Lindenerin sichtet wildes Tier bei Brockhöfe / Neue Welpen auf Truppenübungsplatz Bergen

Wölfe auf dem Waldweg

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Diese drei jungen Wölfe bewegen sich auf dem Truppenübungsplatz in Munster, aber streifen auch hin und wieder durch den Landkreis Uelzen. Im vergangenen Jahr sind sie einem Bundeswehrsoldaten gefolgt.

Linden/Landkreis. Nur 50 bis 100 Meter vor ihr lief ein einsamer Wolf über den Waldweg. Sigrid Pommerien aus Linden erinnert sich sehr genau an den Moment, in dem sie das Tier in einem Wald zwischen Linden und Brockhöfe sah.

„Meine Nachbarn haben auch schon einen Wolf gesehen“, wiegelt sie ab, als wäre es nichts Besonderes. Aber es ist vielleicht auch kein Wunder, denn die Zahl der Wölfe hat zugenommen: Auch das dritte bekannte Wolfspaar in Niedersachsen hat Nachwuchs. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen, der sich beiderseits der Grenze zwischen dem Heidekreis und dem Landkreis Celle erstreckt, ist ein Welpe vergangene Woche in eine Fotofalle getappt. Der Bundesforstbetrieb Lüneburger Heide hatte die Fotofalle zuvor installiert, nachdem Mitte Juli die Sichtung von zwei Welpen gemeldet worden war. Niedersachsens drittes Wolfsrudel dürfte eine ungewöhnliche Familienbande binden: Bei dem Wolfspaar auf dem Truppenübungsplatz, von dessen Existenz man seit September 2012 weiß, handelt es sich um ein Geschwisterpaar. Wie viele Welpen geboren wurden, ist noch unklar. Das Fotofallen-Bild zeigt nur einen Wolfswelpen. Dass er Geschwister hat, gilt allerdings als wahrscheinlich.

Doch nicht nur in Bergen gibt es Nachweise eines Wolfsrudels, sondern auch auf dem Truppenübungsplatz in Munster. 2012 wurden drei Welpen geboren. In diesem Jahr wurden sieben Welpen nachgewiesen. Dazu gehören das Elternpaar und zwei Jungtiere aus dem vergangenen Jahr.

„Brockhöfe und Linden gehören zu deren Laufbereich“, sagt Bundesförster Jörg-Rüdiger Tilk. Er geht fest davon aus, dass Sigrid Pommerien ein Wolf aus Munster über den Weg gelaufen sei. „Das ist ja nicht weit entfernt und in Munster und Umgebung sind schon sehr oft Wölfe gesichtet worden“, schildert der Förster. Beim Bundesforstamt in Munster arbeitet auch der Forstwirt Ulrich Drewes aus Wriedel. Er stellt sich die Frage, warum immer wieder Stimmen laut werden, dass der Wolf Panik verbreite: „Ich stehe laut vieler sogenannter Experten an vorderster Front der Nahrungskette unserer Wölfe. Endlos vermehren werden sie sich bei uns nicht können.“ Das Tier sei zwar streng geschützt, aber sollte die Population zu sehr wachsen, werde es Abschussquoten wie beispielsweise in Schweden geben. Drewes will den Wolf nicht schönreden, sondern nur zeigen, dass es auch eine „andere Seite gibt, als nur auf den Wolf einzuschlagen“. Auch wenn er und seine Kollegen an vorderster Front zum Wolf stehen, habe schließlich keiner Angst, Opfer eines solchen zu werden. „Der Wolf hat mehr Angst vor uns“, ist sich Drewes sicher.

Von Jörn Nolting

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