Ministerpräsident Stephan Weil im Interview bei der AZ

Wölfe – „Regulierung muss möglich sein“

AZ-Verlagsleiterin Heike Köhn und Chefredakteur Thomas Mitzlaff (l.) führten Weil durch den technischen Bereich. Foto: Huchthausen
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AZ-Verlagsleiterin Heike Köhn und Chefredakteur Thomas Mitzlaff (l.) führten Weil durch den technischen Bereich.
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Uelzen. Sieben Tageszeitungen, diverse Anzeigenblätter: 600 000 Exemplare werden wöchentlich bei der Allgemeinen Zeitung gedruckt. Gestern besuchte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil das Pressehaus an der Groß Liederner Straße.

AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff sprach mit dem Regierungschef über Uelzen, Wölfe und Straßenverkehr.

Herr Weil, welchen Stellenwert hat für Sie die Fensteröffnung am 23. Dezember in Uelzen?

Ich mag solche Traditionen wie die Fensteröffnung und habe in den vergangenen Jahren die Atmosphäre am Abend des 23. Dezember immer sehr genossen. Und in diesem Jahr kommt noch etwas dazu: Nach dem furchtbaren Anschlag in Berlin sollten wir überall zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen.

Wie viele Jahre werden Sie noch einen Tag vor Heiligabend nach Uelzen reisen?

Gerne noch viele Jahre, wenn die Wählerinnen und Wähler wollen. Für mich ist der Besuch in Uelzen am 23. Dezember immer ein sehr schöner Abschluss meines Arbeitsjahres als Ministerpräsident.

Ihr Konkurrent um das Amt des Ministerpräsidenten kommt aus Heiligenthal und somit hier praktisch aus der Nachbarschaft...

Schön, dass Sie den Begriff Nachbarschaft so weit fassen. Dann gilt das ja vielleicht auch für einen Hannoveraner. Ich fühle mich jedenfalls in Uelzen immer sehr herzlich aufgenommen.

Waldtage der Kindergärten werden gestrichen, Kinder dürfen in der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus, weil Wölfe am Ortsrand im Blutrausch waren und der zuständige Minister sagt, seine Wähler seien in der Stadt und nicht auf dem Land – wird der Wolf zu einem Wahlkampfthema, das man in der Landeshauptstadt völlig unterschätzt?

Minister Stefan Wenzel hat eine solche Äußerung bereits klar dementiert, sie entspricht auch ganz und gar nicht seiner Politik. Wir machen Politik für ganz Niedersachsen – und der größte Teil davon ist ländlicher Raum. Das gilt auch für den Wolf: Ich nehme das Thema sehr ernst und habe mich zum Beispiel intensiv mit der Situation von Schäfern in Niedersachsen auseinandergesetzt. Ich bin auch mit ihnen einer Meinung, dass eine Regulierung des Wolfsbestandes möglich sein muss. Dagegen stehen derzeit vor allem Artenschutz-Bestimmungen der EU, an die auch die Landesregierung gebunden ist.

In Zusammenarbeit mit anderen Ländern werden wir uns sehr darum bemühen, größere Spielräume zu bekommen. Daneben stehen die Unterstützung für den Herdenschutz und Ersatzleistungen bei Schäden. Von einer Wolfsromantik bin ich sehr weit entfernt. Die Wolfs-Problematik darf man nicht kleinreden – übertreiben sollten wir sie aber auch nicht.

Zweites großes Thema in der Region, die A 39. Warum sträubt sich das Land, dass der Bund die Autobahnen plant? Dann wäre die A 39, die für die Region Uelzen von existenzieller Bedeutung ist, vielleicht schneller fertig...

Da ist leider der Wunsch der Vater des Gedankens. Auch eine Zuständigkeit des Bundes für die A 39 wird ja nicht das aufwändige Planungsrecht in Deutschland außer Kraft setzen, das viel Zeit kostet. Im Gegenteil: Bis eine neue Infrastrukturgesellschaft des Bundes arbeitsfähig ist, wird – so fürchte ich – so manches Jahr ins Land gehen. Bis dahin wird die Realisierung der A 39 für das Land eine ausgesprochen hohe Priorität haben. Das Jahr 2016 war für die A 39 der Durchbruch und wir werden alle Möglichkeiten nutzen, dieses wichtige Vorhaben so schnell wie möglich umzusetzen.

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