Weidetierhalter Nordost Niedersachsen zeigen Flagge bei der Grünen Woche in Berlin

„Wölfe fressen kein Gras“

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Tierarzt Helmut Wilke (links) und der Uelzener Pferdezüchter Hans-Heinrich Oetjen (rechts) informierten gestern Messebesucher wie Armin Staufenberg (Mitte) auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin über die Probleme im Zusammenleben mit dem Wolf. 

Berlin/Uelzen. Im hessischen Neustadt hat Schafzüchter Armin Staufenberg bisher nur vom Wolf gehört, begegnet ist er ihm noch nicht. „Noch habe ich mehr Probleme mit Füchsen und Waschbären“, sagt er gestern augenzwinkernd.

Dann betrachtet er den 1,20 Meter hohen Elektrozaun, den die Weidetierhalter Nordost Niedersachsen auf ihrem Messestand auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin aufgestellt haben. Sein Blick wird ernster, und er ergänzt: „Aber der Wolf könnte in Zukunft noch ein Problem werden. “.

Lange unterhält sich Staufenberg mit den Weidetierhaltern, die es sich in diesen Tagen zur Aufgabe gemacht haben, die Besucher auf dem Messegelände über das „Problem Wolf“ zu informieren. Und wachzurütteln. „Wir müssen umdenken“, fordert Helmut Wilke, Tierarzt und Vorsitzender des Stader Schafzuchtverbandes. Sein einer Nachbar in Rotenburg/Wümme habe Kälber verloren, sein anderer Nachbar Schafe. „Risse haben wir reichlich“, sagt Wilke. Und immer soll es das selbe Rudel gewesen sein.

Genau um diese „Problemrudel“ geht es den Weidetierhaltern. So sollen laut Wilke neun Angriffe in Barnstorf (Landkreis Diepholz) auf ein und das selbe Rudel zurückzuführen sein: „Die DNA-Spuren an den gerissenen Tieren haben das bewiesen.“ Die Hälfte der 2250 Weidetiere, die in den letzten beiden Jahren in Deutschland durch Wölfe getötet wurden, konnten neun Wolfsrudeln zugeordnet werden. „Wir können nicht nachvollziehen, warum diese Tiere nicht entnommen werden“, sagt Jürgen Göttke-Krogmann aus Löhne (Landkreis Vechta). „Warum wird geltendes Recht nicht angewandt?“

Weil der Wolf seit seiner Rückkehr nach Deutschland hierzulande keine natürlichen Fressfeinde hat, gehen die Weidetierhalter davon aus, dass sich die Population ohne Entnahmen in den nächsten Jahren vervierfachen wird. Der Uelzener Pferdezüchter Hans-Heinrich Oetjen sieht noch ein weiteres Problem, weswegen Problemrudel unbedingt gejagt werden müssten: „Wölfe lernen schnell“, sagt er. „Wenn sie einmal Erfolg auf einer Weide hatten, kommen sie wieder. Sie lernen, die Zäune zu überwinden – und sie geben ihr Wissen an ihre Jungen weiter.“

Selbst in Ställe seien die Raubtiere nachts bereits eingedrungen. Das könne laut den Weidetierhaltern aber nicht die Lösung sein, denn schließlich sei es die Gesellschaft, die sich eine ganzjährige Weidetierhaltung wünsche. Und: „Wenn sie nachts keinen Erfolg mehr haben, weil die Weidetiere eingesperrt sind, kommen Sie am Tag“, befürchten die Akteure auf dem Messestand.

Bis sich im Umgang mit dem Wolf etwas ändert, sorgen sich die Weidetierhalter Nordost Niedersachsen weiter um ihre Tiere. „Sie treiben Rinder in Schluchten und fressen sie bei lebendigem Leib“, berichtet Hans-Heinrich Oetjen und gibt zu bedenken: „Das ist nicht im Sinne des Tierschutzgesetzes. Aber Wölfe fressen kein Gras.“

Von Sandra Hackenberg

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