von woche zu woche

Ein Ort auch für die Lebenden

Ein Urnengrab in einem Garten voller Rosen, ein hölzerner Sarg, der in die Erde gelassen wird, eine letzte Ruhestätte am Fuße eines Jahrhunderte alten Baumes oder ein anonymes Rasengrab in aller Schlichtheit – die Bestattungskultur ist heute vielfältiger denn je. Ebenso vielfältig wie es die Menschen sind.

Ines Bräutigam

Und so setzen sich zurzeit auch die Uelzener mit den Wünschen derjenigen auseinander, die in einem vollkommen naturbelassenen Bestattungswald beerdigt werden möchte. Die Uelzener tun gut daran. Denn niemand lässt sich heute mehr vorschreiben, wie er sich zu bestatten lassen hat – dafür gibt es längst viel zu viele Möglichkeiten, seinen Willen auch umzusetzen. Wer seinen Wunsch hier in Uelzen nicht Wirklichkeit werden lassen kann, der lässt sich eben woanders beerdigen. Doch auch im Tod sollte der Ort, an dem man zeitlebens gern gelebt hat, Heimat sein.

So vielfältig wie die Bestattungsmöglichkeiten sind aber auch die Interessen derjenigen, die Gestalter der letzten Ruhe sind: Bestatter, Gärtner, Steinmetze, Friedhofsverwaltungen. Und so pietätlos es auch im ersten Moment klingen mag – für sie alle geht es beim Sterben auch um Geld. Von einer neuen „Vermarktung“ der herkömmlichen Friedhöfe ist deshalb mittlerweile die Rede.

Wer bei dem Begriff „Vermarktung“ Glücksraddrehen, Infostände und Zuckerwatte vor Augen hat, der ist natürlich schockiert. Zu recht! Doch Vermarktung im Sinne von weltlicher Öffnung, auch auf einem kirchlichen Friedhof, ist eine überdenkenswerte Option. Der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie es gelingen kann, einen Ort für Gestorbene auch zum Ort für die Lebenden zu machen.

Märchenspaziergänge mit Erzählungen über Leben und Tod, Ausstellungen, leise Konzerte, Thementage (zum Beispiel zum Thema Engel), literarische Veranstaltungen oder sensibel gestaltete Naturerlebnisse für Kinder. Geschwungene Kiespfade statt schnurgerader Wege, üppige Blütenmeere statt akkurat gestutzter Rasenhalme. – Möglichkeiten gebe es für Friedhöfe viele, ließe man sie zu.

Niemand erwartet und wünscht Getöse an einem Ort der Stille. Aber soll ein Friedhof ein (im wohlverstandenen Sinne!) attraktiver Ort sein, an dem man im Leben wie im Tod sein mag, dann muss er weg vom Image der finsteren Tannen und schweren Grabplatten. Dann wird er auch neben einem Bestattungswald – dem auch Uelzen sich im Übrigen nicht verschließen sollte – bestehen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare