Von Woche zu Woche

Bitte sachlich bleiben

Klischee 1: Bauern leben im Idyll, bei ihnen riecht es nach Fachwerk und Kastanien. Wenn der Bauer nicht gerade entspannt im Sonnenuntergang auf dem Acker einen antiken Trecker fährt, plaudert er mit der Milchkuh, damit sie sich wohl fühlt.

Seine Kinder backen Plätzchen, seine Frau strickt gern und streichelt die Schweinchen, bis auf wundersame Weise und ganz schmerzfrei ein Schnitzel aus ihnen wird.

Klischee 2: Der Landwirt vergiftet unbedacht den Boden mit chemischen Stoffen, quetscht aus jedem seiner vielen tausend Hektar Land das Letzte aus, was es geben kann. Ihm sind die Qualen von Tieren egal, und er beeinflusst in starken Lobby-Gruppen die Politik.

Beides ist Unsinn. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen dem Himmel auf Erden, der in manchen Magazinen vermittelt wird, und skandalisierender Kritik. Irgendwo inmitten des Ganzen versuchen Landwirte, für Ruhe zu sorgen. Dabei müssen sie sich oft wehren, und auf beiden Seiten schwingt bisweilen Geifer mit. Wenn Weggefährten von Jürgen Paffen, der bei der VSE einen Vortrag hielt (Seite 5) davon sprechen, man müsse die „Lufthoheit in der Schlacht um die Meinungsbildung“ für die Landwirte gewinnen, wird es martialisch.

Das Gefühl des Unverstandenseins bei Landwirten ist nachvollziehbar. Denn wie der Betrieb läuft, wie man sich um Flächen und Ausgleichsflächen, Richtlinien, Pachtpreise und Weltmarktpreise sorgen muss, bleibt vielen verschlossen. Auf der anderen Seite haben auch Umweltschützer das Problem, dass ihre Ziele schwer zu vermitteln sind, weil Auswirkungen des Umweltschutzes oft weit in die Zukunft gerichtet und wenig greifbar sind. Bei klammen Kassen bleibt der Naturschutz entweder Luxus, oder er muss geschickt mit Förderprogrammen verknüpft werden.

Der Einzelne hat nur eine Chance: Sich informieren. Und das bitte so sachlich, wie es geht.

Von Kai Hasse

Rubriklistenbild: © Nolting, Jörn

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