Frau sagt, ihr Ex-Freund habe sie geschlagen – dann doch nicht

Wirre Aussage eines Opfers

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Hat ihr Ex-Freund sie verprügelt oder nicht? Darüber macht eine Frau widersprüchliche Aussagen.

Uelzen. Alkohol und Eifersucht ist keine gute Kombination, wie sich gestern am Amtsgericht Uelzen zeigt. Auf der Anklagebank sitzt S. , der seine damalige Lebensgefährtin im Juni dieses Jahres verprügelt haben soll.

Der 55-Jährige, der mittlerweile wegen anderer Verbrechen im Gefängnis sitzt, hat die Frau getreten und ihr mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen – so lautet zumindest der Vorwurf.

Denn herauszufinden, was an besagtem Abend tatsächlich passiert ist, gestaltet sich für Richterin Meike Wulff schwierig – nicht zuletzt wegen der wirren Aussage der Geschädigten. Doch bevor die Verhandlung beginnen kann, muss die Richterin erst einmal mit dem Angeklagten diskutieren: S. beschwert sich, dass er keinen Verteidiger hat, nachdem ihn sein Anwalt kurzfristig versetzt hat. „Ohne Verteidiger möchte ich diesen Prozess nicht“, sagt er. Die Richterin erklärt S., dass die Voraussetzungen für einen Pflichtverteidiger bei diesem Verfahren nicht gegeben sind, und antwortet: „Sie hatten ausreichend Gelegenheit, von daher führen wir die Verhandlung heute auch durch.“ S. schmollt und sagt: „Sie sind, habe ich den Eindruck, schon voreingenommen.“ Dann entschließt er sich doch dazu, sich selbst zu verteidigen.

Seine Ex-Freundin B. sei es gewesen, die ihn im betrunkenen Zustand körperlich angegangen ist. „Sie war in der Küche am Telefonieren. Ich habe sie mit dem Fuß angestupst“, behauptet er. „Da ist sie wie eine Furie hochgefahren und mir an den Hals gegangen.“ Man habe sich zwar gegenseitig geschubst, aber er habe sie nicht geschlagen, sondern nur versucht abzuwehren.

Während die Ex-Freundin der Polizei noch gesagt hat, S. habe sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie getreten, weil er dachte, dass sie mit einem anderen Mann telefoniert hat, sagt sie vor Gericht, er habe sie „nur“ geschubst und zu Boden gedrückt. „Gab es Schläge und Tritte?“, will die Richterin wissen. B.s Antwort: „Muss ich dazu eine Aussage machen?“ Während ihrer Aussage überlegt sie es sich noch mehrmals anders: Mal ist von Schlägen die Rede, dann soll S. sie gewürgt haben. „Ich glaub’, Sie sagen hier falsch aus“, vermutet die Richterin.

Es gibt jedoch einen Zeugen, der das Geschehen in B.s Küche von seiner Dachterrasse aus beobachtet haben will: „Ich habe gesehen, wie er sie festgehalten und geschlagen hat“, sagt er. B. habe „Hilfe!“ und „Das tut weh, lass das sein!“ geschrien, woraufhin er die Polizei gerufen habe. „Das war nicht das erste Mal, dass ich solche Schreie gehört habe.“ Er habe schon einmal gesehen, dass S. seine Ex-Freundin geschlagen habe.

Weil S. mittlerweile anderweitig verurteilt wurde und längere Haftstrafen abzusitzen hat, beschließt das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwältin, dieses Verfahren gegen S. einzustellen. Zwar sei die Aussage von B. nicht glaubhaft gewesen. „Aber Ihre Version“, macht die Richterin S. deutlich, „glaube ich Ihnen auch auf keinen Fall.“

Von Sandra Hackenberg

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