„Wir waren so viele“

Schienenbesetzung: 3500 Demonstranten zählte die Polizei, in der Nacht wurde geräumt.

Uelzen/Gorleben - Von Thomas Mitzlaff. Wenn man nicht von der Polizei ist, sondern gewissermaßen für die Gegenseite unterwegs, dann kann das ein großer Vorteil sein zu Castor-Zeiten im Wendland. „Wir erklären, dass wir die Uelzener Aktivisten sind und dann lassen die uns durch“, schildert Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative (BI) gegen Atomanlagen in Uelzen. „Die“, das sind die vielen Landwirte aus den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Lüneburg, die mit ihren Traktoren diverse Straßen und Wege blockieren, um den Polizeikräften den Personalnachschub zu erschweren.

Gestern war Ebeling noch mittendrin im Demonstrations-Stress – schließlich waren die elf Atommüllbehälter noch nicht im Zwischenlager eingetroffen. Bilanz kann der 44-Jährige dennoch schon ziehen – und die fällt eindeutig aus: „Wir waren noch nie so viele, das war einfach gigantisch in diesem Jahr“, schwärmt er. Allein im Landkreis Uelzen waren an der Bahn-Transportstrecke rund 1000 Protestler unterwegs, „die Motivation ist riesig“, berichtet Ebeling – nicht zuletzt dank der Steilvorlage der schwarz-gelben Bundesregierung mit dem Beschluss zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken.

Erschreckend finden die BI-Mitglieder, wie wenig die Öffentlichkeit und offenbar auch die eingesetzten Polizisten von dem Ausmaß der Neutronenstrahlung informiert gewesen seien, die in diesem Jahr größer war denn je. „Wir haben Einsatzkräften zugerufen, dass sie unbedingt 30 Meter Abstand halten müssen, das wussten die gar nicht“, schildert Ebeling. Eine Sauerei sei es auch gewesen, dass der Zug während des regulären Bahnbetriebes durch die Bahnhöfe Uelzen, Bad Bevensen und Bienenbüttel gefahren sei, keine zwei Meter an Menschen vorbei. „Da hätte man wenigstens warnen müssen, dass jetzt der Atomzug kommt.“ Stattdessen habe man bei den Durchsagen von einem Güterzug gesprochen.

Die Nacht zu Montag dann hat Ebeling bei einer ihm unbekannten Familie in Hitzacker verbracht. „Wir haben einfach gefragt, ob die eine Übernachtungsmöglichkeit für uns haben“ – und für Protestler öffnen sich viele Türen.

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