Müll in der Parkpalette: Obdachlose weisen Vorwürfe von Anwohnern zurück

„Wir sind anständige Berber“

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Die beiden Berber Georg (links) und Alois zeigen ihren Müllsack und den Aschenbecher. Für den Unrat im Umfeld der Uelzener Parkpalette seien sie nicht verantwortlich, betonen sie.

Uelzen. Ihre Habe führen sie stets mit sich. Schlafsäcke, Isomatten und Decken sind in zwei großen Rucksäcken verschnürt, die Alois und Georg mit sich tragen. Von einigen Leuten werden sie Obdachlose genannt, doch dieses Wort hören sie nicht so gerne.

Sie selbst bezeichnen sich als Berber, machen öfters Station in Uelzen und übernachten dabei auch mal in der Parkpalette am Bahnhof. Doch mit den Verschmutzungen durch leere Alkoholflaschen und Zigarettenkippen, über die Anwohner kürzlich geklagt hatten (AZ berichtete), wollen Alois und Georg nichts zu tun haben.

„Das waren wir nicht. Wir wehren uns dagegen, als asozial abgestempelt zu werden“, sagt Georg im AZ-Gespräch. Ihren Müll werfen sie nach eigenen Worten nicht achtlos weg, sondern packen ihn in Plastiksäcke, die sie danach in Abfalleimern entsorgen. Zum Beweis holt der 52-Jährige, der einst eine Kochlehre absolviert hat, einen großen blauen Müllsack und einen Aschenbecher hervor. Manchmal legen die beiden die Säcke auch an der Einfahrt zum Parkhaus ab, wo sie – in stillschweigender Absprache – von Stadtbediensteten abgeholt werden.

„Wir sind ehrliche Lümmels“, betont auch Alois. Berber hätten einen Ehrenkodex, und der besage, dass die „Platte“, also das Quartier, sauber gehalten werden muss. Für die leeren Flaschen und die Zigarettenkippen im Umfeld der Parkpalette hat Alois eine Erklärung: „Das waren junge Leute, die dort Partys feiern“, will der 57-jährige gelernte Schmied beobachtet haben. Dann kreisten dort die Alkoholflaschen, würden Motoren zum Aufheulen gebracht und die Musik laut aufgedreht. „Die hinterlassen da einen Saustall – und wir sind dann die Leidtragenden“, wettert Georg.

Empört sind die beiden auch über Vorwürfe, sie würden ihr „Geschäft“ in Hauseingängen machen oder Frauen durch Rufe belästigen. „Das stimmt überhaupt nicht. Wir sind anständige Berber und wollen einfach nur unsere Ruhe haben“, sagt Alois.

Das bestätigt Raphael Schweimer-Schmidt, Leiter des Tagestreffs für Wohnungslose in Uelzen, den Alois und Georg regelmäßig besuchen. „Die beiden nehmen sich Schaufel, Handfeger und Besen von hier mit, um ihre ,Platte‘ zu reinigen. Sie achten peinlich darauf, die Schlafplätze sauber zu verlassen, weil sie dort mal wieder übernachten wollen“, versichert er.

Doch feiern junge Leute nun tatsächlich im Parkhaus? Darüber ist der Stadt Uelzen nichts bekannt, erklärt Sprecherin Ute Krüger. Und auch Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes der Polizei, liegen dazu keine Erkenntnisse vor. „Wir haben dort keinen Ärger“, sagt er.

Von Bernd Schossadowski

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