Horst Jäger verkündet Aus für die Regionalwährung

„Wir legen den Lunar schlafen“: Heute brennen Geldscheine in Lüneburg

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Aufbruchsstimmung vor fünf Jahren: Horst Jäger (rechts) und Horst Will mit den ersten Lunar-Scheinen. Doch die Regionalwährung hat sich nicht durchgesetzt. Heute werden auf dem Lüneburger Marktplatz abgelaufene Scheine verbrannt.

Lüneburg. Die Idee war schön: Mit eigenem Geld wollten Horst Jäger und seine Mitstreiter die Welt ein bisschen besser machen.

Der Lunar, abgeleitet vom Lüneburger Luna-Brunnen, sollte regionale Produkte fördern und der Konzentration von immer mehr Geld in wenigen Händen etwas entgegensetzen. Das war vor fünf Jahren. Zwischenzeitlich fanden sich 38 Annahmestellen für die Lüneburg-Währung. In Uelzen und weiteren drei Landkreisen ist der Lunar aber nie angekommen, obwohl der Hundertwasser-Bahnhof den 10-Lunar-Schein zierte. Dann wurde es still um den Lunar. Jetzt verschwindet das Regionalgeld. Am Dienstag, 13. Oktober, 19 Uhr sollen die entwerteten Scheine auf dem Marktplatz vor dem Lüneburger Rathaus öffentlich verbrannt werden.

„Wir legen den Lunar schlafen. Vielleicht erwecken wir ihn mal wieder“, sagt Regio-Lunar-Geschäftsführer Jäger ein wenig trotzig. Im Januar hat er die letzten 4000 Lunar ausgegeben. Insgesamt wurden in fünf Jahren 20 000 Lunar mit einem Kurs von 1:1 in Umlauf gebracht. Zu wenig. „Das große Problem ist die Bequemlichkeit“, versucht Jäger eine Erklärung. „Der Euro ist zu einfach.“ Warum sollten die Menschen Geld in Lunar umtauschen, wenn sie mit Euro bezahlen konnten?

Gründe gibt es viele. Etwa die Verbreitung der Kartenzahlung und des Onlinebankings. „Das konnten wir nicht bieten“, räumt Jäger selbstkritisch ein. Den Lunar gab es nur in bar. Zudem habe man es nicht geschafft, die Kreisläufe zu schließen. Ein großer Biomarkt in Lüneburg nahm die Lunar-Währung zwar von seinen Kunden an, der Verein konnte aber keinen Landwirt überzeugen, frische Ware gegen Lüneburg-Papiergeld zu liefern. Dabei war es gerade erklärtes Ziel der Organisatoren, regionale Händler, Handwerker und Dienstleister zu fördern.

„Uns ist die Luft ausgegangen“, räumt Jäger ein. Damit meint er auch die Arbeitsbelastung für das aus fünf Ehrenamtlichen bestehende Team, das Geldausgabe und Umtausch abwickelte. „Wir haben keine Kraft mehr. Wir sind zu wenige, um das Projekt am Laufen zu halten.“

20 000 Lunar liegen noch im Schrank. Eines Tages würde Jäger sie gerne wieder hervorholen, denn von der Idee ist er überzeugt. „Das Geld muss rosten“, zitiert er Sozialreformer Silvio Gesell (1862 – 1930), der eine „natürliche“ Wirtschaftsordnung ohne Zinsen entwarf. Der Lunar hatte deshalb ein Halbarkeitsdatum. Wer ihn nicht ausgab, erhielt nach einem halben Jahr neue Scheine, allerdings mit zwei Prozent Abzug.

Von Gerhard Sternitzke

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