„Wir kriegen Sie wieder auf die Beine“

Uelzen - Von Marc Rath. An einer Multiplen Sklerose erkrankte Patienten aus der Region mussten bislang für spezielle Therapien mitunter weite Wege über die Grenzen des Kreises hinaus zurücklegen. Das Klinikum am Hagenskamp kann jetzt als vom Land anerkannte Spezialambulanz nahezu alle Behandlungen anbieten. „Es gibt kein Praxis-Hopping mehr, stattdessen kommen die Ärzte zu den Patienten“, beschreibt die Chefärztin der neurologischen Abteilung, Dr. Ulrike Heesemann, die neuen Möglichkeiten. „Man kennt sich hier“, sieht sie darin eine Erfolgsformel für eine enge Zusammenarbeit: Patient, Klinikum und niedergelassene Ärzte könnten so „ein gutes Dreier-Team“ bilden.

„Wir mussten Erfahrungen nachweisen und alle Fachgebiete anbieten können“, erläutert die Chefärztin die Voraussetzungen für die Anerkennung durch das Ministerium. Das Klinikum ist mit seinen radiologischen, gynäkologischen und kardiologischen Abteilungen dafür aufgestellt. Labor und Krankengymnastik befinden sich im Haus. Chemotherapien sind ambulant möglich. Für Augen- und Ohrenuntersuchungen sowie für Reha-Maßnahmen gibt es enge Kooperationen. Im Norden und Osten rage das Klinikum Uelzen damit heraus, betont Verwaltungsleiter Thomas Hoffmann.

Die Krankheit Multiple Sklerose gilt als „Chamäleon der Medizin“. Die genauen Ursachen für den Ausbruch sind bis heute nicht genau erklärbar. „Die Therapiemöglichkeiten haben sich aber extrem erweitert“, unterstreicht Heesemann. Da bei Ausbruch der Krankheit die MS-Patienten im Durchschnitt erst 28 Jahre alt sind, sei eine enge und qualitativ gute medizinische Begleitung besonders wichtig, denn die Patienten befinden sich meist mitten im Leben. „Die Lebenserwartung von MS-Kranken ist inzwischen normal. Die Diagnose MS bedeutet nicht mehr gleich Leben im Rollstuhl“, erklärt die Neurologin. Diese Krankheit sei zwar nicht heilbar, „aber sie kann so gut wie möglich beeinflusst werden“.

Etwa bei Ulrike Sieberz. Die Uelzenerin ist eine der ersten Patienten der Spezialambulanz. Derzeit wird sie von Heesemann und ihrem Team auf eine neue medikamentöse Therapie eingestellt. Zuletzt ist die junge Frau dafür nach Lüneburg gefahren. Nun kann sie die komplette Behandlung „endlich vor Ort“ absolvieren, freut sich Ulrike Sieberz.

In Deutschland sind etwa 300 von 100 000 Menschen an einer Multiplen Sklerose erkrankt – im Landkreis Uelzen wären dies rund 290. Ulrike Sieberz ist eine von ihnen. „Wir kriegen Sie wieder auf die Beine“, macht ihr die Chefärztin Mut.

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