„Wir brauchen Kaufkraft“

Einen Hauch von Fußgängerzone vermittelt die Veerßer Straße bereits an Markttagen.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Die Erweiterung der Uelzener Fußgängerzone sorgt nach der knappen Entscheidung im Stadtrat nun auch bei Geschäftsleuten in der betroffenen Veerßer Straße für heftige Reaktionen. In einer einjährigen Testphase sollen zusätzliche Sitzgelegenheiten geschaffen und Anlieger-Geschäfte Stände und zusätzliche Sitzflächen gebührenfrei aufstellen können (AZ berichtete).

„Die Innenstadt ist sowieso schon tot und dieser Schritt macht alles noch schlimmer“, sagt Donatella Carlet, Inhaberin von drei Eiscafés – einem in der derzeitigen Fußgängerzone und zweien in der Veerßer Straße, durch die derzeit noch die Autos fahren dürfen. Ihr Lokal in der Fußgängerzone könne sie um 18 Uhr schließen, „da ist nach Schließung der Geschäfte nichts mehr los“, sagt Carlet. In der Veerßer Straße dagegen laufe das Geschäft an warmen Abenden bis 23 Uhr. „Aber wenn da keine Autos mehr fahren, ist da auch früher Feierabend“, fürchtet sie. Ob sie das Angebot der Stadt annehmen und zusätzliche Tische aufstellen wird? „Das kann ich mir im Moment kaum vorstellen.“

Begeisterung dagegen am anderen Ende der zukünftigen Fußgängerzone im griechischen Restaurant Zorbas. „Wir finden diese Entscheidung toll und werden auf alle Fälle versuchen, mit weiteren Tischen Leben in die Stadt zu bekommen“, sagt Apostolos Peponis. Die gastronomische Achse in der Veerßer Straße mit dem neuen indischen Restaurant, seinem Lokal sowie dem Gildehaus und zwei Eiscafés biete eine große Chance für eine Belebung.

Eine Einbettung dieser Maßnahme in ein Gesamtkonzept vermisst dagegen Gabriele Cordes-Marschall, Inhaberin des Juweliergeschäftes Cordes. „Wir brauchen Kaufkraft hier in der Innenstadt und die erreichen wir nicht nur mit ein paar zusätzlichen Durchfahrverboten“, kritisiert Cordes-Marschall. Eine Belebung durch zusätzliche Lokaltische greife nur wenige Sommermonate, „in den anderen herrscht dann gähnende Leere hier, das ist doch schrecklich.“ Die Politik zäume das Pferd von hinten auf, „da muss man doch zunächst ein Konzept entwickeln und kann erst dann mit einzelnen Maßnahmen beginnen und nicht umgekehrt.“

Eine fatale Entwicklung werde mit der Erweiterung der Fußgängerzone in Gang gesetzt, sagt auch Apotheker Heiko Barz, ebenfalls Anlieger der Veerßer Straße. „Wirtschaft funktioniert nur mit Verkehr, legt man ihn lahm, passiert das Gleiche mit der Wirtschaft“, befürchtet er.

Die Folge sei ein Einbruch bei der Gewerbesteuer, die Steuern würden folglich erhöht – „und diese Spirale endet schließlich im Tod dieser Stadt“. Diese Basta-Politik des Stadtrates unter Missachtung der Geschäftswelt sei unerträglich, kritisiert der Apotheker.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare