Kreispolitik hat über Zukunft von besonders sensiblen Flächen zu entscheiden

Windrad oder Naturschutz ?

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Mehr Flächen für Windräder sollen im Landkreis Uelzen zur Verfügung gestellt werden – jetzt hat die Politik zu entscheiden, ob auch geschützte Gebiete dafür herangezogen werden sollen.

nre/aja Uelzen/Landkreis. Die Kreispolitik will für neue Windenergieflächen im Landkreis weitere Weichen stellen – und sieht sich dabei mit einem Thema konfrontiert, das Konfliktpotenzial birgt: Die Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses haben darüber zu befinden, ob Flächen in Naturschutzgebieten für Windenergie herangezogen werden sollen. Die Flächen wären in einem solchen Fall aus den Schutzgebieten zu „entlassen“.

Bei einer ersten Beratung während der jüngsten Sitzung des Ausschusses verwies Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender des Uelzener NABU-Kreisverbandes, auf die Verpflichtungen des Naturschutzes. „Wir haben eine große Verantwortung für den roten Milan“, sagte er. Die Hälfte des weltweiten Bestandes der bedrohten Vogelart sei in Deutschland zu finden. Außerdem: Unter den Windenergieflächen würden auch Fledermäuse leiden. „Die platzen, wenn sie in die Nähe rotierender Windräder geraten – durch den Luftdruck, der in der Nähe von rotierenden Flügeln herrscht.“

Frank Peters, Umwelt-Dezernent des Landkreises, berichtete, dass im Verfahren zur Ausweisung von Windenergieflächen bislang auch noch solche Gebiete Berücksichtigung fanden, die nicht mit Wald bedeckt oder aber Natura-2000-Flächen seien. Und bei diesen jetzt noch im Verfahren befindlichen 22 Auswahlflächen seien Stücke dabei, die zum Teil oder ganz dem Naturschutzgebietschutz unterliegen würden. Daher sei es erforderlich, falls gewünscht, diese aus den Schutzgebieten herauszunehmen, damit sie als Windenergieflächen genutzt werden können. Die Kreisverwaltung selbst sprach keine Empfehlung für einen Beschluss aus, in der Vorlage heißt es: Über jede Überlagerungs- fläche sollte differenziert und einzeln entschieden werden.

Befürworter von Windenergie monierten, dass ursprünglich 63 Flächen im Landkreis als mögliche weitere Standorte für Windräder betrachtet worden seien, und es komme nun auf die 22 Flächen an, um überhaupt noch die Energiewende hinzukriegen. Die rund 800 Hektar ursprüngliche Vorrangfläche sei auf das Doppelte angestiegen, sagte Frank Peters im Rahmen der Verwaltungsinformationen.

Die Politik sah sich bei der Ausschusssitzung noch nicht in der Lage abzustimmen: Die Unterlagen seien zu spät an die Mitglieder des Gremiums geschickt worden. Eine neue Sitzung ist für Donnerstag, 17. Juli, geplant.

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