Windkraft: Landkreis schlägt größere Abstände zu Siedlungen vor

1000 Meter – aus Respekt

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Uelzen/Landkreis. Bei der Ausweisung von Vorrangstandorten von Windkraftanlagen prallen gleich mehrere Interessen aufeinander: die der Landeigentümer, die ihre Flächen an potenzielle Winpark-Betreiber verpachten wollen, das Anliegen jener Betreiber, die mit den Windparks Gewinn machen möchten, und die Sorgen von Umweltschützern, die eine Beeinträchtigung für Flora und Fauna fürchten.

Joachim Partzsch, Leiter des Amtes für Bauordnung und Kreisplanung im Kreis Uelzen, kann ein Lied vom Entgegenwirken dieser konträren Interessen singen – denn unter seiner Regie wird derzeit das Regionale Raumordnungsprogramm für den Landkreis fortgeschrieben – mit dem Ziel, weitere Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen.

Das jetzt angeschobene Verfahren geht auf einen Beschluss des Kreisausschusses vom Mai 2011 zurück, nach dem beschleunigt besagte Vorrangstandorte gefunden werden sollen. Und so wird sich der Ausschuss für Planung und Straßenbau des Kreises übermorgen mit Ausschluss- und Abstandskriterien für die Planung dieser Standorte befassen. „Wir werden dort keine neuen Flächen, Karten oder ähnliches präsentieren“, stellt Joachim Partzsch klar. Denn bei der Überplanung des Windenergie-Konzeptes für den Kreis Uelzen ist ein strikt vorgegebenes Verfahren Pflicht.

Derzeit stehe man noch ganz am Anfang, so Partzsch. Die Festlegung von Tabuzonen, die sich für Windräder nicht eignen, sei da der allererste Schritt. Danach ergäben sich Flächen, die Potenzial für Windkraftanlagen böten. Und erst dann würde geprüft, ob an den jeweiligen Standorten überhaupt Windenergie mit den vorhandenen Gegegebenheiten vereinbar sei.

Manche allerdings, das weiß auch der Amtsleiter, sind allerdings schon vorgeprescht – ohne die Verfahrensergebnisse abzuwarten. So habe es bereits mancherorts Vorverträge zwischen Flächeneigentümern und Windpark-Betreibern gegeben. Und nicht nur Joachim Partzsch bereitet das Bauchgrimmen. Denn einerseits gebe es das vorgegebene Verfahren, an das man sich auch – ungeachtet irgendwelcher Einzelinteressen – halten werde. Andererseits sei zu befürchten, dass durch Vorverträge geschaffene Tatsachen auf Gedeih und Verderb durchgesetzt werden sollen.

Diese Sorgen treiben, wie berichtet, auch den Varendorfer Eckehard Niemann um, der in einem offenen Brief zu mehr Transparenz und gar Gründungen von Bürgerinitiativen (BI) aufgerufen hatte. In der Gemeinde Altenmedingen regen sich ebenfalls Bedenken: Dort ist die BI „Keine Windkraftanlage im Mausetal (Bohndorf/Aljarn)“ entstanden, weil Windräder geplant seien, die nur 750 Meter entfernt von einem Wohngebiet entfernt seien.

Joachim Partzsch stellt allerdings klar: Von Planungen könne erstens überhaupt keine Rede sein. Zweitens verweist er Orakel über angebliche 750-Meter-Abstände ins Reich der Spekulationen. Empfehlung des Landkreises Uelzen sei vielmehr eine Vergrößerung der Abstände zwischen Wohnhäusern und Windrädern auf 1000 Meter. „Das ist ein Respektabstand, den man einhalten sollte, um ein Mindestmaß an Akzeptanz zu erreichen“, findet Partzsch. Allein die schon vorhandenen Anlagen sollen Bestandsschutz genießen. Auch sollen Vorrangstandorte für Windkraft mindestens 30 Hektar groß sein, um eine räumliche Konzentration zu erreichen.

Der zuständige Fachausschuss wird diese Vorschläge am Donnerstag ab 16.30 Uhr öffentlich auf dem Betriebshof in Oldenstadt beraten.

Von Ines Bräutigam

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