Polizei Uelzen warnt vor Verkaufsveranstaltungen im Kreis

Windiger Verkäufer betrügt Seniorin

Die 75-Jährige aus Uelzen wurde zu einem Schinkenfest eingeladen. Vor Ort wurde sie dazu überredet, für mehr als 1600 Euro Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Foto: Baatani

Uelzen. Sie wollte sich ein kostenloses großes Schinken-Paket abholen und hat stattdessen einen teuren Vertrag über Nahrungsergänzungsmittel abgeschlossen: Eine 75-jährige Uelzenerin ist vor wenigen Wochen der schriftlichen Einladung zu einem Schwarzwälder Schinkenfest auf den Leim gegangen.

Die Uelzener Polizei warnt deshalb vor Briefen, die zu Verkaufsfesten einladen. Viele Personen könnten sich den Überredungskünsten der psychologisch geschulten Verkäufer nicht entziehen. Wer ein Anschreiben für eine ähnliche Veranstaltung im Landkreis Uelzen erhält, wird gebeten, sich an die Polizei Uelzen unter (05 81) 93 00 zu wenden.

Das Schwarzwälder Schinkenfest war in einem Gasthaus im Landkreis Uelzen als Seniorenveranstaltung angemeldet worden. Der Gastwirt und die 14 Senioren, die sich neugierig den Schinken vom „Frischehof Lorenz“ anschauen wollten, wurden von zwei Verkäufern überrascht. Denn sie präsentierten einen Werbefilm über Chondrosamin, ein Nahrungsergänzungsmittel, das den Knochenaufbau fördern soll. Die 75-Jährige leidet an Artrose und ist „hundertprozentig frakturgefährdet“, so hoffte sie spontan auf die Wirkung des Wundermittels.

Alle anderen Gäste, die keinen Bedarf hatten, sollten den Saal verlassen. „Der Verkäufer hat uns eine Mappe mit 400 Euro in Bar hingelegt“, schildern die Seniorin und ihr Lebensgefährte. Während er ihnen einen Vertrag über Chondrosamin-Packungen im Wert von rund 2400 Euro – abzüglich einer Ersparnis von 800 Euro beim Kauf vor Ort – hinlegte, unterhielt er sich mit ihnen angeregt und baute eine Vertrauensbasis auf. Die Dame zahlte 50 Euro an und unterschrieb 16 Überweisungsträger, um die rund 1600 Euro in 16 Raten abzuzahlen, während der Verkäufer die Papiere und die 400 Euro Bargeld wieder an sich nahm.

Sie erhielt eine Flasche von dem Mittel, zusätzlich ein Bügeleisen und ein Stück Schwarzwaldschinken. Zuhause angekommen war das Paar dann doch verunsichert und zwei Tage später schickten die beiden einen Widerruf samt der ersten Flasche Chondrosamin zurück an die Firma Pro Vital. Das Paket wurde nicht angenommen. Dreimal sendeten sie es erneut hin. Eine Rate wurde abgezogen, dann löste die Uelzenerin ihr Konto auf. Das sei eine typische Masche, Überweisungsträger statt Einzugsermächtigungen unterschreiben zu lassen, erläutert Silke Munstermann von der Polizei Uelzen. Denn wenn das Geld überwiesen werde, könne es nicht von der eigenen Bank zurückgebucht werden.

Schließlich erhielt das Uelzener Opfer eine Drohung von der Firma: Wenn sie nicht zahlen, „laufen Sie Gefahr, in das Schuldnerverzeichnis des zuständigen Amtsgerichts eingetragen zu werden“. Für die Seniorin ist nun Abwarten angesagt. Wenn dann eine gerichtliches Mahnforderung bei ihr eintrifft, wird sie Widerspruch einlegen. Die Uelzener Polizei geht unterdessen dem Fall nach.

Von Diane Baatani

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