Mit dem „Varieté-Palast“ katapultierte die Jabelmannhalle die Stadt Uelzen in die Liga der Metropolen

Willkommen in der Welt der Großen

Über die Bühne wurde das Essen serviert – das Vier-Gänge-Menü begeisterte die Besucher. Fotos: Jan-Rasmus Lippels

Uelzen. Hunderte roter Kerzen brennen auf den festlich in weiß gedeckten Tischen, das siebenteilige Silberbesteck blinkt an jedem der 330 Plätze. die Jabelmannhalle selbst ist in Rot getaucht. Varieté-Atmosphäre pur, Gänsehaut-Stimmung.

Und spätestens als Herr Niels, der „Gummimann“, mit seinen schlaksigen Bewegungen die Bühne entert, ist jedem Besucher in dem alten Fabrikgebäude klar – hier wird große Kunst geboten, ganz große sogar. Ein internationales Programm, das sich hinter den großen Bühnen in den Metropolen nicht zu verstecken braucht, im Gegenteil: In Uelzen werden Maßstäbe gesetzt für die deutsche Kulturlandschaft. Drei Abende lang, mit viergängigen Sterne-Menüs, mit absoluten Stars der Varieté-Szene. Und vor allem: Die Halle ist voll. An allen drei Abenden, bei Eintrittspreisen zwischen 90 und 120 Euro.

„Ich habe es gewusst, man kann auch hier auf dem Lande ein großes Programm machen“, sagt gestern Organisator Ulrich Gustävel. Zum ersten Mal seit Tagen kann er in Ruhe an einem Kaffee nippen, doch er ist immer noch aufgewühlt vom Wochenende. „Die Ärzte“ hatte er 2008 nach Uelzen geholt, am 19. Mai startet Herbert Grönemeyer seine Deutschlandtour in der Uhlenköperstadt. Das sind ohne Frage Höhepunkte für jeden Veranstalter, „aber diese drei Varieté-Abende, die haben mich schon berührt“, gesteht er.

Stell dir vor, in Uelzen geschieht Großes und niemand merkt es – immer wieder gab es den Vorwurf, dass die Menschen hier vor Ort es nicht danken und nicht zu schätzen wissen. „Herr Niels“ ist so ein Großer. Mit seiner außergewöhnlichen Körperbeherrschung und Bühnenpräsenz ist er international mehrfach ausgezeichnet und gehört zu den besten und gefragtesten Comedy-Artisten.

Natürlich steckt eine monatelange Vorbereitung hinter der Zusammenstellung eines solchen Programms – und zur Mobilisierung von insgesamt knapp 1000 Zuschauern. „Im Frühjahr haben wir Praxen von Ärzten, Rechtsanwälten und viele andere Firmen in der gesamten Region angeschrieben und ihnen vorgeschlagen, statt der üblichen Weihnachtsfeier den Mitarbeitern doch mal was ganz Besonderes zu bieten“, schildert Ulrich Gustävel. Die Resonanz war groß – und ebenso überragend sollte das Programm werden.

Vergangenen Mittwoch dann die heiße Phase. Die Künstler treffen ein, proben den ganzen Tag. Hinter der Bühne hängen die Pläne mit den Laufwegen, damit jeder der zehn Gäste pro Tisch das Essen gleichzeitig isst. Die vier Gänge hatte Chefkoch Karl-Heinrich Meyer in seinem Hotel Deutsche Eiche vorbereitet, mit Lastwagen wurden sie an den drei Veranstaltungsabenden in die Jabelmannhalle transportiert und dort in einem eigens errichteten Zelt aufbereitet.

Viereinhalb Stunden Varieté und Essen vom Feinsten, weit nach Mitternacht verließen die letzten Gäste den Veranstaltungsort. Das Personal musste dann noch Gläser polieren, in der Nacht wurde in der Deutschen Eiche das Besteck wieder auf Hochglanz gebracht. Und eine Wäscherei legte Nachtschichten für die Tischdecken ein.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt: „Erstklassiges Niveau“ bescheinigten viele begeisterte Besucher den Organisatoren. Und Ulrich Gustävel ist entschlossen, Uelzen nicht nur zum Open-Air-Standort, sondern auch zu einer festen Größe beim Varieté zu machen.

„Den Varitié-Palast wird es künftig jedes Wochenende vor dem ersten Advent geben“, kündigt er an – und jedes Jahr mit einem anderen Programm. Erste Kontakte zu Künstlern, unter anderem vom Circus Solaire, sind bereits geknüpft. Der Vorverkauf soll im Frühjahr beginnen.

Von Thomas Mitzlaff

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