AUS DEM GERICHT Streitigkeiten rund um polizeibekannte Uelzener / Zeuge rastet im Verhandlungssaal aus

Wilde Prügelei vor Uelzener Bahnhofs-Kiosk

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Vor dem Uelzener Bahnhofs-Kiosks ist es zu einer wilden Prügelei gekommen. Dazu fand jetzt ein Prozess  gegen einen 32-Jährigen am Amtsgericht statt.

Uelzen – Wer hat wen vor dem Kiosk am Uelzener Bahnhof verprügelt? Das will das Amtsgericht klären, doch der Sachverhalt gestaltet sich schwierig.

Auf der Anklagebank sitzt ein Paar. Für den 32-jährigen Uelzener steht viel auf dem Spiel, er kam vor eineinhalb Jahren aus dem Gefängnis und ist auf Bewährung. Ihm und seiner 24-jährigen Freundin wird vorgeworfen, mehrere Leute vor dem Kiosk angegriffen zu haben.

Die mutmaßlichen Opfer sind als Zeugen geladen, dem Gericht aber nicht unbekannt. Mehrmals kam es bereits zu Verhandlungen rund um diese Personengruppe – allen voran W.. Der ist diesmal als Zeuge geladen und liefert eine Kostprobe von seiner kurzen Zündschnur.

Als die Verteidiger ihn darauf hinweisen, dass sich seine Schilderungen in einigen Punkten von dem unterscheiden, was er kurz nach dem Vorfall im April vergangenen Jahres der Polizei gesagt hat, reißt ihm der Geduldsfaden. Mit den Worten „Alter, nerv mich doch einfach nicht“ stürmt er aus dem Verhandlungssaal. Minutenlang läuft er lautstark brüllend durch das Gericht. Seine Kinder, die vor dem Saal warten, fangen an zu weinen.

Nachdem er sich wieder beruhigt hat, kann die Verhandlung fortgesetzt werden. W. behauptet, dass die Angeklagte auf die Tochter der Kioskbetreiberin eingeprügelt hat, während ihr mitangeklagter Freund die anderen Anwesenden darin gehindert hat, dazwischenzugehen. Schließlich soll er W. noch auf den Hinterkopf geschlagen und ihn minutenlang gewürgt haben, in dem er seine dicke Panzerkette, die W. immer um den Hals trägt, verdreht hat. Unumwunden gibt W. auch zu: „Dann hab’ ich mich umgedreht und ihm ein paar in die Fresse gehauen.“ Im Vorfeld soll sich der Angeklagte auf der Treppe vor dem Kiosk betrunken und die Anwesenden provoziert haben. Einen von den Verteidigern der Angeklagten vorgeschlagenen Täter-Opfer-Ausgleich lehnt er kategorisch ab: „Nö.“

Die Gegenseite schildert den Sachverhalt komplett anders. „Ich kann mir so was nicht leisten, mit meiner Bewährung und so“, sagt der Angeklagte. Seine Freundin habe mal im Kiosk gearbeitet, sei dann plötzlich gekündigt worden. Seitdem gebe es Konflikte mit der Betreiberin, den neuen Mitarbeitern und deren Familie, darunter W., der keiner beruflichen Tätigkeit nachgeht und viel Zeit hat, am Kiosk bei seiner Freundin Kaffee zu trinken.

„Ich werd da teilweise mit Flaschen beschmissen und mit Knüppeln verjagt“, schildert der Angeklagte. Darum habe er an besagtem Tag das Gespräch mit der Kioskbetreiberin gesucht, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Auch seine Freundin behauptet, es sei genau andersherum gewesen. Die Tochter der Kioskbetreiberin sei auf sie zugestürmt, habe sie an den Haaren zu Boden gerissen und ihr gegen den Kopf getreten: „Da hat kein anderer getreten als sie.“

Richterin Claudia Hagemann beschließt, die Verhandlung auszusetzen und am 3. September fortzusetzen. Es sollen noch weitere Zeugen geladen werden.

VON SANDRA HACKENBERG

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