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Wieder Tausende Kinderporno-Dateien: Uelzener muss ins Gefängnis

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Von: Lars Becker

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Landgericht Mühlhausen
Nach zwei Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern wird ein 39-jähriger Ivorer gestern vom Schöffengericht erneut wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Bildern in Haft geschickt. © Swen Pförtner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Ein bereits zweimal wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilter Ivorer, der in Uelzen lebt, ist vom Schöffengericht erneut ins Gefängnis geschickt worden – diesmal wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Bilder.

Uelzen – „Ich bitte um eine letzte Chance!“ Die in französischer Sprache geäußerte und von einer Dolmetscherin übersetzte Hoffnung des Angeklagten, nicht erneut ins Gefängnis zu müssen, erfüllt sich gestern Vormittag im Amtsgericht Uelzen nicht. Das Schöffengericht unter Vorsitz des stellvertretenden Amtsgerichts-Direktors Rainer Thomsen verurteilt den einschlägig vorbestraften 39-Jährigen aus Uelzen wegen des Verschaffens und Besitzes von kinder- wie jugendpornografischen Schriften zu einer dreijährigen Haftstrafe.

Der Staatsbürger der Elfenbeinküste, der in Handschellen aus der JVA Uelzen vorgeführt wird, räumt zwar den Anklagevorwurf ein, etwas mehr als 2900 kinder- und Jugendpornografische Dateien auf sein Handy heruntergeladen zu haben. Unrechtsbewusstsein indes lässt er nicht erkennen – trotz einer Verurteilung wegen identischer Straftaten im September 2021 ebenfalls am Amtsgericht Uelzen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Richter Thomsen: „Wir glauben Ihnen das nicht!“

Immer wieder erklärt der Mann, dass er nicht gewusst habe, dass er solche Bilder nicht aus dem Netz herunterladen dürfe. „Wir glauben Ihnen das nicht, halten das für eine Schutzbehauptung“, erklärt Richter Thomsen in der Urteilsbegründung. Und ergänzt: „Selbst wenn der Angeklagte – wie vorgegeben – überhaupt nicht lesen kann, so ist doch allgemein in allen Medien überall immer völlig klar, dass das strafbar ist.“

Schwer wiegt außerdem, dass der Afrikaner, der seit zwölf Jahren in Deutschland lebt, im Juli 2011 vom Amtsgericht Braunschweig und im Februar 2015 vom Amtsgericht Uelzen jeweils wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in insgesamt sechs Fällen verurteilt worden war – zunächst zu 18 Monaten auf Bewährung und dann zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis. In die neue Strafe wird außerdem die letzte Verurteilung wegen der identischen Delikte einbezogen.

Stellungnahme des Gerichts kommt nicht an

Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre und sechs Monate Haft, der Pflichtverteidiger plädiert indes auf zwei Jahre – ausgesetzt zur Bewährung. Dessen Meinung, das Gericht könne doch „mit viel Augenzudrücken noch eine günstige Sozialprognose stellen“, schließen sich Richter Thomsen und seine beiden Schöffen nicht an.

„Dadurch, dass Sie solche Bilder nachfragen, sorgen sie dafür, dass mit Kindern solche Dinge gemacht werden“, redet Rainer Thomsen dem 39-Jährigen ins Gewissen. Die ausführliche Stellungnahme des Gerichts – auch zu den seit dem 1. Juli 2021 erheblich verschärften gesetzlichen Vorgaben für eine Verurteilung in diesem Deliktfeld – kommt aber beim Angeklagten nicht wirklich an. „Ist es nicht besser, wenn ich eine Geldstrafe zahle? Warum so ein hartes Urteil? Ich habe doch um eine letzte Chance gebeten“, gibt der Verurteilte von sich.

„Drei Jahre – das ist das Mindeste!“

Das Schöffengericht addiert nicht etwa die Einzelstrafen zu den drei angeklagten Tatkomplexen zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und acht Monaten, sondern schickt den Ivorer „nur“ für drei Jahre ins Gefängnis. „Drei Jahre – das ist das Mindeste“, betont Richter Rainer Thomsen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das wurde das vorige erst, nachdem der Mann zwar Berufung einlegte, zum Termin am Landgericht Lüneburg aber nicht erschien...

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