„Wie aus einem Film“

Uelzener Schülerin über Leben in den USA und Reiseabbruch wegen Corona

Die Uelzenerin Felicitas Busse – hier vor dem Washington Monument – musste ihr Auslandsjahr in den USA coronabedingt vorzeitig abbrechen.
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Die Uelzenerin Felicitas Busse – hier vor dem Washington Monument – musste ihr Auslandsjahr in den USA coronabedingt vorzeitig abbrechen.

Uelzen – Ein Jahr den „American Way of Life“ erleben – darauf freute sich die Uelzenerin Felicitas Busse, die das Lessing-Gymnasium besucht.

Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programmes des US-Kongresses und des deutschen Bundestages wurde sie vom heimischen Bundestagsabgeordneten Henning Otte als Stipendiatin ausgewählt, um für ein Jahr in die USA zu reisen. „Das war ein sehr cooles Gefühl“, sagt Busse im AZ-Gespräch stolz.

Von allen Seiten habe sie Unterstützung erfahren, wenn sich auch ihre Eltern etwas überrumpelt gefühlt hätten, erinnert sich die Schülerin lachend. Auch Jörg Grünhagen von Ottes Wahlkreisbüro habe viel für sie getan und sei stets als Ansprechpartner an ihrer Seite gewesen.

Im August 2019 ging es dann mit Sack und Pack in die Nähe von Seattle im Bundesstaat Washington, wo Busses Gastfamilie lebt. Schnell bemerkt die heute 16-Jährige die kleinen Unterschiede im Vergleich zu Deutschland: „Ich hatte das Gefühl, dass die Leute viel offener sind.“ Auch die vielen unterschiedlichen Kulturen innerhalb einer Highschool-Klasse waren ihr neu.

Dabei hat Busse einiges erlebt, womit viele die USA assoziieren: Besuch beim Rodeo, Lacrosse spielen, umfangreiches Dekorieren des Hauses zu Halloween und Weihnachten. „Das war wie aus einem amerikanischen Film“, erinnert sich Busse. Weniger gern erinnert sie sich jedoch an eine Schießerei, die in der Nähe ihrer Schule stattgefunden hat. Jeder Schuss sei zu hören gewesen. Für die Schüler scheinbar kein Problem: „Das Zimmer wurde abgedunkelt, und dann ging der Unterricht weiter. Das ist da schon Normalität“, sagt Felicitas Busse mit einer Mischung aus Lachen und Kopfschütteln.

Insgesamt sei der Austausch aber eine „ganz besondere Erfahrung gewesen“ mit vielen Herausforderungen, an denen sie gewachsen sei. Umso überraschender kam der vorzeitige Abbruch der Reise. Grund: Der Ausbruch des Coronavirus’ Anfang des Jahres. Als ein Auf und Ab erlebte Felicitas Busse die Pandemie während ihres Aufenthalts. „Es wurde erst sehr belacht. Dann war es: Wir werden alle sterben“, erzählt die Schülerin. Sie selbst habe die Situation daher zunächst nicht allzu ernst genommen, auch wegen der einseitigen Berichterstattung in den Medien. Zwar seien etwa viele Schüler infiziert gewesen, doch die Schulen wurden nicht geschlossen – auch weil viele Kinder auf das Mittagessen in der Schule angewiesen waren.

So wurde Busse auch von der Information überrascht, innerhalb eines Tages ihre Heimreise antreten zu müssen. „Da fühlte ich mich ein bisschen überrumpelt.“ Den letzten Tag versuchte Busse daher noch einmal auszukosten, fuhr mit ihrer Gastschwester an die Pazifikküste. Ein richtiger Abschluss sei jedoch nicht möglich gewesen, innerhalb von 24 Stunden mussten die Koffer gepackt sein: „Der ganze Abschied fehlte völlig.“ Auf die Frage, ob sie noch einmal in die USA reisen würde, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Ich würde es sofort noch mal machen.“ Denn: „Es wäre schön, wenn der Aufenthalt nicht diesen Beigeschmack behalten würde“, meint die 16-Jährige mit Blick auf die ungewollt verfrühte Abreise.

VON DANIEL BIELING

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