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Widerstand gegen „Trassenwahn“: Bürgerinitiative für Kirch- und Westerweyhe

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Von: Lars Becker

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Mehr als 100 Interessierte ließen sich am Dienstagabend auf Hof Koch erläutern, welche Trassenpläne die Deutsche Bahn alternativ zu Alpha-E verfolgt und welche Auswirkungen das auf Kirch- wie Westerweyhe hätte.
Mehr als 100 Interessierte ließen sich am Dienstagabend auf Hof Koch erläutern, welche Trassenpläne die Deutsche Bahn alternativ zu Alpha-E verfolgt und welche Auswirkungen das auf Kirch- wie Westerweyhe hätte. © Privat

In Kirch- und Westerweyhe formiert sich eine Bürgerinitiative gegen die Trassenpläne der Bahn. Geplant ist neben einer Menschenkette zwischen den Ortsteilen auch eine große Demonstration samt Treckern.

Uelzen – Mit einer eigenen Bürgerinitiative (BI) wollen sich Kirch- und Westerweyhe gegen die Deutsche Bahn und deren Alternativ-Trassenpläne zu Alpha-E stellen. Nach der Informationsveranstaltung auf Hof Koch, an der am Dienstagabend mehr als 100 Bürger sowie politische Vertreter, eine Abordnung des Aktionsbündnisses für die Ostheide (Afdo) und Bürgermeister Jürgen Markwardt teilnahmen, wurde die Gründung der „BI Kirch- und Westerweyhe DB Trassenwahn“ beschlossen.

„Es hat sich herauskristallisiert, dass die Planungen wohl schon weiter sind als bisher bekannt ist. Die Heide brennt, das werden wir uns nicht gefallen lassen. Die Menschen fragen sich vor allem, warum die Bahn so etwas einfach machen darf – das versteht keiner. Jetzt gehen sie auf die Barrikaden“, erklärte Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther.

Menschenkette, Mahnfeuer und Holzkreuze

Er kündigte im AZ-Gespräch konkrete Maßnahmen an, die den Widerstand gegen die Neubau-Pläne der Bahn für den Bereich zwischen Radbruch und Suderburg unterstreichen sollen: „Wir planen dort, wo die Trasse lang laufen soll, eine Menschenkette zwischen Kirch- und Westerweyhe. Wir wollen ein Mahnfeuer entzünden und werden die größte Demonstration organisieren, die Uelzen je gesehen hat. Auch die Landwirte sind heiß und werden mit ihren Treckern kommen – wir müssen aufstehen und uns wehren. Mit kleinen Sachen kommen wir nicht voran.“ In einem ersten Schritt sollen hölzerne Bahnkreuze gebaut und im Trassenbreich aufgestellt werden. Die besagte Kundgebung könnte im September stattfinden.

Karl-Heinz Günther will über das Dorfnetzwerk und seine persönlichen Kontakte zügig abfragen, wer aktiv in der BI mitarbeiten will. Zehn bis 15 Personen sollen das Grundgerüst bilden, dann soll die Gründung vollzogen werden. Es sei eine enge Zusammenarbeit mit der Afdo geplant, aber auch mit der Hansestadt und dem Landkreis Uelzen.

Gut besuchte Veranstaltung in Klein Süstedt

Bereits am Montagabend hatte eine Bürgerinformationsveranstaltung auf dem Bauckhof in Klein Süstedt stattgefunden – ebenfalls mit deutlich über 100 Interessierten, darunter Landrat Dr. Heiko Blume und ebenfalls politische Vertreter. Auch dort hatte Tobias Schütte aus Hansen in seiner Funktion als stellvertretender Afdo-Vorsitzender und Projektbeirat Alpha-E über die neuen Pläne der Bahn berichtet und kritisiert, dass die als bestandsnaher Ausbau verkaufte Variante tatsächlich eine Neubaustrecke sei, die im krassen Widerspruch zu den Ergebnissen des Dialogforums Schiene-Nord stehe.

Kommentar: Gemeinsam ein Zeichen setzen

Jetzt bekommt die Deutsche Bahn die Quittung für ihre desaströse, weil völlig intransparente Informationspolitik zur Trassenplanung! Vielerorts formiert sich Widerstand, weil entgegen der Ergebnisse des Dialogforums Schiene Nord womöglich doch eine Neubaustrecke entstehen soll – und dass die dann auch noch mitten durch die Kartbahn in Bispingen, durch Friedhöfe, Wälder, Ortschaften oder die Gedenkstätte Bergen-Belsen führen soll.

Mit der Gründung einer eigenen Bürgerinitiative für Kirch- und Westerweyhe wird in Uelzen ein wichtiges Zeichen gesetzt: „Mit uns nicht!“ Schon viele Monate, bevor die Bahn ihre Trassen-Pläne veröffentlichen will (angeblich zum Jahresende), soll klar werden, dass der bundeseigene Konzern nicht einfach mit dem Lineal Striche ziehen und glauben darf, dass die Menschen dieses Vorgehen klaglos schlucken.

Auch wenn die Details der „Horrortrasse“ derzeit noch im „Stille-Post-Prinzip“ durchsickern und niemand ernsthaft glauben mag, dass irgendwann Züge dort verkehren, wo heute Bäume des Stadtforsts der Hansestadt stehen, ist es richtig und wichtig, dass die Bürgerschaft mit Politik und Verwaltung rebelliert.

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