Nach 14 Jahren: Organisator erhält erstmals keine Erlaubnis für Event

Westerweyher Kinderflohmarkt kollidiert mit Gesetz

Noch im vergangenen Jahr hatte es – mit speziellem Konzept zur Corona-Pandemie – einen Kinderflohmarkt gegeben. Jetzt wurde keine Erlaubnis erteilt.
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Noch im vergangenen Jahr hatte es – mit speziellem Konzept zur Corona-Pandemie – einen Kinderflohmarkt gegeben. Jetzt wurde keine Erlaubnis erteilt.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Der geplante Kinderflohmarkt in Westerweyhe kollidiert mit Vorgaben im Niedersächsischen Gesetz zu Feiertagen. Aus diesem Grund wird es in diesem Jahr keine weitere Auflage geben. Organisator Karl-Heinz Günther ist verärgert.

Uelzen-Westerweyhe – Immer im September, immer an einem Sonntag haben in den vergangenen 14 Jahren Kinder auf dem Festplatz von Westerweyhe Decken ausgebreitet oder Tische aufgestellt, um ihre Matchbox-Autos, Puppen und Hörspiel-Kassetten anzubieten. In der kommenden Woche, am Sonntag, 12. September, hätte der Westerweyher Kinderflohmarkt zum 15. Mal über die Bühne gehen sollen. Doch die Tradition reißt jäh ab. Organisator und Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther ist jetzt mitgeteilt worden, dass er dafür keine Erlaubnis bekommt.

Bei Terminabsagen und Erlaubnissen schießt einem immer gleich die Corona-Pandemie als Grund durch den Kopf. Sie ist aber diesmal nicht schuld. Ein Hygiene-Konzept war mit Stadt und Gesundheitsamt abgestimmt, wie Günther schildert. In diesem Fall greifen gesetzliche Vorgaben. Der Organisator ist angefressen: „Es ist ein Akt der Bürokratie“, sagt er.

2018 ist das „Niedersächsische Sonn- und Feiertagsgesetz“ überarbeitet worden. Mit der Folge: Flohmärkte sind an Sonntagen nicht mehr zulässig, wenn sie dem Wesen der Sonn- und Feiertage widersprechen. Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn private Personen etwas anbieten und der Erlös einem gemeinnützigen Zweck zugutekommt. Das ist der Knackpunkt.

Zwar sind beim Flohmarkt, wie Günther erklärt, ausschließlich Kinder und damit Privatpersonen zugelassen, verkaufen Jungen und Mädchen aber etwas, so dürfen sie das Geld behalten. „Da bietet einer ein Matchbox-Auto für zwei Euro an. Es werden doch keine großen Erlöse erwirtschaftet“, ärgert sich Günther. Die Kinder besserten ihr Taschengeld auf.

Er betont auch: „Der Kinderflohmarkt wird ehrenamtlich organisiert und hat keinerlei Gewinnabsichten.“ Außerdem: Der Erlös aus dem Verkauf von Würstchen, Muffins und Waffeln fließe einem guten Zweck zu – dem Kindergottesdienst und der Jugendfeuerwehr. „Nur weil ein Punkt nicht greift, darf der Kinderflohmarkt nicht stattfinden?“, so Günther. Das könne und wolle er nicht verstehen – schon gar nicht in einer solch schwierigen Zeit für Kinder.

Noch im vergangenen Jahr, also gut zwei Jahre nach der Gesetzesänderung, fand ein Kinderflohmarkt statt. Damals hatte Günther sich trotz der um sich greifenden Corona-Pandemie auf den Weg gemacht, mit Stadt und Landkreis ein Konzept abgestimmt, um den Kindern den Flohmarkt zu ermöglichen. Das klappte. Die 15. Auflage in diesem Jahr dagegen ist unterbunden.

Genehmigt werden muss die Veranstaltung von der Stadt, die auch Eigentümerin des Platzes ist. Die hat die Erlaubnis nicht erteilt, nachdem der Landkreis Uelzen als Aufsichtsbehörde sie darüber informiert hat, dass der Kinderflohmarkt in dieser Form den gesetzlichen Vorgaben widerspricht. Die Stadt Uelzen erklärt gestern: „Der Kinderflohmarkt erfülle die Voraussetzungen des Gesetzes leider nicht.“ Aber warum erst jetzt das Nein, und nicht schon letztes Jahr? „Der Hansestadt war nicht bekannt, dass sämtliche Erlöse einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden müssten.“

Eine kurzfristige Verlegung auf einen Samstag ist nach Aussage von Günther nicht möglich. Für den 11. September ist das Räucherfestival in Westerweyhe angesetzt, und danach werde es mit dem Wetter schwierig. Noch sei nicht entschieden, ob und in welcher Form der Kinderflohmarkt womöglich fortgesetzt werde. Sollte die Tradition enden, wäre das unendlich traurig, so Günther.

KOMMENTAR: Groteske Zustände

VON NORMAN REUTER

Gesetz ist Gesetz. So einfach ist das. Und für einen Kinderflohmarkt, bei dem Jungen und Mädchen um Cent- und kleine Euro-Beträge für das ausgediente Spielzeug feilschen, ist im Gesetz kein Platz. Das ist grotesk. Weil zum einen eben aus den Reihen der Politik, die solche Gesetze erlässt, zurzeit gar nicht oft genug betont wird, dass gerade jetzt Kinder eine schwere Zeit haben, in der wegen der Corona-Beschränkungen kaum etwas möglich ist. Aber was zum anderen verwundert: Ein Kinderflohmarkt ist nicht an einem Sonntag zulässig, aber wer vergangene Woche Sonntag mal an Lebensmittelmärkten in der Kurstadt Bad Bevensen vorbeifuhr, der wird den Andrang dort gesehen haben. Alles legal. Also wegen eines vergessenen Bechers Sahne darf man ganz gesetzeskonform auf einen Sonntag einkaufen gehen, ohne dass der Erlös einem guten Zweck zugutekommen muss, aber will ein Kind ein Matchbox-Auto verkaufen, wird es zum Gesetzesbrecher. Das passt nicht zusammen.

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