Werk Uelzen feiert gestern mit hunderten Gästen „175 Jahre Nordzucker“

Mit Weitsicht und Courage

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Uelzens Werksleiter Sven Buhrmann ging mit den Gästen im Festzelt auf eine Nordzucker-Zeitreise.

Uelzen. Die Nordzucker AG feiert Geburtstag – und weil es der 175. ist, klangen gestern nicht nur am Standort Uelzen die Sektgläser, sondern wird auch an den 17 weiteren Produktionsstandorten von Schweden bis Polen, von Dänemark bis in die Tschechische Republik auf dieses Jubiläum angestoßen.

In einem mit vielen Gästen aus Nachbarschaft, Politik und Wirtschaft prall gefüllten Festzelt auf dem Gelände der Zuckerfabrik erinnerten Uelzens Werksleiter Sven Buhrmann und Dr. Niels Pörksen vom Vorstand der Nordzucker AG an die Anfänge des Unternehmens und wagten Ausblicke in die Zukunft.

Dr. Niels Pörksen

1838 gründeten 19 Landwirte mit 15 000 Talern die Zuckerfabrik in Klein Wanzleben. Sie ist die Keimzelle der heutigen Nordzucker AG. Während der goldenen Jahre der Zuckerindustrie nach 1860 wurden dann auch die deutschen Traditionswerke Nordstemmen, Clauen, Schladen und Uelzen gegründet. In den Geschichtsbüchern nimmt das Werk Uelzen seinen Anfang am 27. November 1883 als „Actien-Zucker-Fabrik Uelzen“. 279 Aktionäre beteiligten sich damals an der Gründung; darunter Kaufleute und Gewerbetreibende, vor allem aber Bauern aus Uelzen, Bevensen und Ebstorf. Die erste Rübenkampagne starteten sie 1885. Bis heute sind die Aktionäre – inzwischen 17 000 an der Zahl – sowie die 15 000 Landwirte und die mittlerweile 3300 Mitarbeiter an 18 Produktionsstandorten das Herz des Unternehmens geblieben, betonten Buhrmann und Pörksen. „Gemeinsam mit ihnen“, so der Uelzener Werksleiter gegenüber den Gästen, „haben wir auch schwere Zeiten gemeistert.“ Die Mitarbeiter trügen dazu bei, dass sich das Unternehmen stetig nach vorn entwickele.

1997 wurde die Nordzucker AG gegründet. Diese Zeiten seien „sehr mühsam“ gewesen, erinnerte Dr. Pörksen, es habe einen intensiven Konzentrationsprozess gegeben, einhergehend mit dem Abschied von „lieb gewonnenen Gewohnheiten“, dabei aber immer geprägt von „Weitsicht und Courage“. Dennoch zählten nicht nur kurzfristige Quartalsergebnisse, betonte Buhrmann, sondern es gehe um Nachhaltigkeit – was man beispielsweise mit Projekten der Verkehrsentlastung oder dem Bau eines dritten Speicherbeckens für die Feldberegnung bei Rosche unter Beweis stelle. Zudem sei die „Wertschätzung des andern ein Teil der Unternehmenskultur“.

Fusionen und Expansion würden auch in Zukunft eine große Rolle spielen, prophezeite Dr. Niels Pörksen. Denn schon jetzt mache Nordzucker mehr als die Hälfte des Umsatzes im europäischen Ausland. Die Nachfrage nach Zucker steige allerdings nicht europa-, sondern weltweit, sagte er. Darüber hinaus verändere Zucker auch die Ernährung der Menschen, werde heutzutage kritisch diskutiert. Hier gelte es, für Aufklärung zu sorgen, appellierte Pörksen. Und nicht zuletzt stelle das Auslaufen der Zuckermarktverordnung bis 2017 alle vor neue Herausforderungen.

Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume versprach schon gestern, dass man für einen „der wichtigsten Wirtschaftsbetriebe des Landkreises“ alles im gesetzlichen Rahmen Mögliche tun werde, um ihn zu unterstützen. Er jedenfalls wolle auch künftig nicht verzichten auf voll beladene Rübenwagen und den so ganz speziellen Geruch, der pünktlich mit der Kampagne wieder aus dem Schlot der Zuckerfabrik aufsteigen werde.

Von Ines Bräutigam

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