Umweltminister lässt gestern in Uelzen viele Fragen zum Thema Wolf offen

Wenzel bleibt vage – „Der Mann ist beratungsresistent“

Zahlreiche Einwohner und Medienvertreter empfingen Umweltminister Stefan Wenzel am Uelzener Kreishaus.
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Zahlreiche Einwohner und Medienvertreter empfingen Umweltminister Stefan Wenzel am Uelzener Kreishaus.
  • vonInes Bräutigam
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Uelzen/Landkreis. Mit Wolfsgeheul wird er empfangen und verabschiedet: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ist gestern, wie angekündigt, auf Einladung von Landrat Dr. Heiko Blume ins Uelzener Kreishaus gekommen, um mit Vertretern der Kreispolitik sowie aus der Landwirtschaft, mit Weidetierhaltern und Bürgermeistern einiger Gemeinden über die Wolfsproblematik zu reden.

Und zahlreiche Vertreter der verschiedensten Initiativen auf dem Land sind zum Kreishaus gekommen, um lautstark – wie Wölfe heulend – auf ihre Sorgen mit den in der Region zunehmend präsenter werdenden Raubtieren aufmerksam zu machen.

Mit Transparenten und nachgeahmtem Wolfsgeheul empfingen viele Menschen aus der Region den Umweltminister gestern am Uelzener Kreishaus.

Es sei ein intensives Gespräch gewesen, bestätigen Wenzel und Blume im Rahmen einer anschließenden Pressekonferenz unisono. Ein zufriedenstellendes und ergiebiges war es aus Sicht der Kreis-Vertreter jedoch nicht unbedingt. „Es hätte an manchen Stellen etwas konkreter sein können“, sagt der Landrat später im AZ-Gespräch. Man habe dem Minister klar gemacht, so Blume, dass Spielräume im Artenschutz großzügiger genutzt werden müssten und langfristig eine Regulierung des Bestands der Raubtiere ermöglicht werden solle. Der Umweltminister betont unterdessen wiederholt, dass man die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst nehme und führte als Beleg ins Feld, dass man im April vergangenen Jahres den zu wenig scheuen Wolf „Kurti“ im Munsteraner Rudel zum Schutz des Menschen getötet hatte. „Und wir werden das auch wieder tun, wenn es notwendig ist“, so Wenzel.

Außerdem wolle man die Möglichkeiten der sogenannten Vergrämung von Wölfen deutlich verbessern, und man sei bei der besseren Unterstützung von Weidetierhaltern „auf verschiedenen Ebenen unterwegs“, versichert der Minister. Überdies sei man bei einer Umweltministerkonferenz der Länder überein gekommen, den Bund zu beauftragen, den Erhaltungszustand des Wolfs zu prüfen.

Den Schafzüchter und Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, Jochen Rehse aus Klein Bünstorf, hat das Gespräch vor allem sauer gemacht. „Wir sind noch kein Stück weitergekommen“, sagt er.

„Der Mann ist beratungsresistent“

Weidetierhalter vermissen von Umweltminister Wenzel konkrete Aussagen zum Thema Wolf

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Es wird zurzeit jede Menge geprüft im Hannoveraner Umweltministerium. Die Besenderung von Wölfen, ihre Vergrämung, um sie von Weiden und Menschen fern zu halten, und bessere Schutzmaßnahmen für Nutztiere, an denen sich das Raubtier immer wieder mal vergreift. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt Jochen Rehse. Der Schafzüchter aus Klein Bünstorf und Vorsitzende des Landesschafzuchtverbands Niedersachsen war gestern in Uelzen Teilnehmer des Krisengesprächs mit Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel zum Thema Wolf. Und Rehses Miene ist im anschließenden AZ-Gespräch finster. „Der Mann ist beratungsresistent“, sagt er über Wenzel.

Die Aussagen des Ministers, dies und jenes werde geprüft, man nehme die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst und die Weidetierhalter seien vornehmlich in der Pflicht, ihre Tiere mit geeigneten Maßnahmen gegen Wolfsangriffe zu schützen, machen Jochen Rehse wütend. „Das habe ich schon zig Mal von ihm gehört, das ist wie ein auswendig gelernter Theatertext. Und immer wieder ist herauszuhören: Wir Weidetierhalter sind zu dumm.“

Ernste Mienen in der Pressekonferenz nach dem Krisengespräch gestern im Uelzener Kreishaus (von links): Jochen Rehse, Umweltminister Stefan Wenzel, Landrat Dr. Heiko Blume und Wriedels Bürgermeister Werner Harneit.

In der vorangegangenen Pressekonferenz hatte Rehse betont, was es für die Züchter und Weidetiere bedeute, wenn der Wolf zugeschlagen hat. Die Psyche der Tiere und Tierhalter gerate völlig durcheinander. So hätten die überlebenden Damwildtiere nach dem großen Wolfsriss vom vergangenen Dezember in Brockhimbergen zehn Tage lang nichts gefressen, schildert Rehse. Woanders gebe es Totgeburten bei Schafen oder Tiere, die gar nicht mehr trächtig werden – was wiederum wirtschaftlichen Schaden für die Züchter bedeute. Das Schlimmste für Jochen Rehse sei jedoch, „dass es in der Bevölkerung eine Abweisung gegen uns Schäfer gibt“. So habe sich ein betroffener Schäfer nach mehreren Wolfsrissen in Südergellersen (Kreis Lüneburg) fragen lassen müssen, wann er endlich weiterziehe. Denn seitdem die Schafe da seien, seien auch die Wölfe da. „Das ist eine Situation, mit der können wir überhaupt nicht leben“, sagt Rehse, „und das kann auch so nicht gewollt sein.“ Deswegen laute die Forderung der Weidetierhalter, Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, konsequent zu entnehmen. „Auch zum Schutz der Wölfe, die sich an die Spielregeln halten.“

Von Ines Bräutigam

Kommentar: Der Wolf braucht Grenzen

Rehse stellt gestern ausdrücklich fest: „Wir wollen nicht, dass die Wölfe ausgerottet werden, sondern wir wollen eine Situation haben, wo wir als Weidetierhalter auch mit dem Wolfsbestand leben können.“ Und dem stimmte Wriedels Bürgermeister Werner Harneit zu: „Wir wollen einen Zustand, der verträglich ist hinsichtlich der Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Und an eben dieser Akzeptanz ist auch Umweltminister Wenzel sehr gelegen, wie dieser gestern mehrfach betont. Das allerdings hat Jochen Rehse ebenfalls schon öfters gehört. (ib)

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