Von der Armbinde zur Baumbestattung: Traditionen werden abgelöst

Wenn Uelzener trauern...

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Uelzen. Irgendwann in seinem Leben hat jeder mit dem Thema zu tun, aber viele Menschen verdrängen es gerne: „Die Scheu, einen Verstorbenen zu sehen, ist relativ groß. “ Größer als noch Anfang des 20. Jahrhunderts, berichtet Britta Paulsen, Inhaberin des Uelzener Bestattungshauses Bartels.

Als heute vor 90 Jahren die Tischlerei unter Leitung von Ernst Bartels begonnen hatte, Bestattungen zu organisieren, war es noch verbreitet, Särge mit den Verstorbenen im kühlen Hof oder in der Diele aufzubahren, damit alle Angehörigen in Ruhe Abschied nehmen konnten.

Für heute gilt: „Häufig versterben Menschen in Pflegeheimen oder im Krankenhaus.“ Und nicht jeder Angehörige habe die Möglichkeit, diese Gelegenheit zum Abschied nehmen im eigenen Hause zu organisieren. Zudem werde relativ schnell der Leichnam abgeholt und im Bestattungshaus gewaschen. Deshalb kann der Sarg mittlerweile auch im Bestattungshaus aufgebahrt werden.

Und: „Die Bestattungskultur ist vielfältiger geworden“, schildert Paulsen. Früher wurde die Trauer durch das Tragen einer Armbinde gezeigt und ein Jahr lang Trauerkleidung getragen. In Kiel, wo Britta Paulsen ein weiteres Bestattungshaus führt, stehe sogar gelegentlich in den Traueranzeigen: „Bitte nicht mit dunkler oder gedeckter Farbe zur Trauerfeier kommen.“ Solche Wünsche seien im Landkreis Uelzen noch nicht üblich, aber „es gibt auch hier eine Tendenz“. Beispielsweise werde heute häufiger im kleineren Kreise Abschied genommen.

„Früher wurde der Bestatter gefragt, was normalerweise gemacht wird. Es gab eine Tradition“, sagt sie. So seien etwa immer wieder bestimmte Kerzen und Kränze bestellt worden. „Dieses Beratungskonzept ist dahin, wir haben die komplette Individualisierung.“ Im Gespräch mit der Leiterin des Uelzener Hauses, Marion Pelzer, sei vor allem Thema, was „wir uns leisten können“, zum anderen „was zu uns passt“. Wichtig sei deshalb eine Transparenz der Preise. Denn während in den achtziger Jahren noch mehr als 50 Prozent der Bestattungskosten durch das Sterbegeld von Krankenkassen gedeckt gewesen seien, müssten viele Menschen heute zu fast 100 Prozent selbst für die Summe aufkommen. Neuerdings gibt es aber die Möglichkeit, eine regional zugeschnittene Sterbeversicherung abzuschließen.

Die Zahl der Feuerbestattungen habe innerhalb der vergangenen Jahrzehnte zugenommen, aber: „Im ländlichen Bereich werden häufig noch Erdbestattungen gewünscht.“ Auch Baumbestattungen werden nachgefragt, für die Uelzener sind die nächstgelegenen Möglichkeiten im Waldfriedhof in Bahrendorf bei Lüneburg und im Ruheforst Elbtalaue in Gartow. Die meisten Menschen hätten nur alle acht bis zehn Jahre mit dem Thema Bestattung zu tun. Marion Pelzer jedenfalls rät dazu, kleine Rituale zu verwenden, um dem Verstorbenen noch etwas auf seiner letzten Reise mitzugeben.

Von Diane Baatani

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