Kommentar zur technischen Unterversorgung ehrenamtlicher Helfer

Wenn Retter nicht retten dürfen

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Ortsbrandmeister Günther Winkelmann mit dem kaputten Tragkraftspritzenfahrzeug. Die Dreilinger Feuerwehr ist dadurch zurzeit nicht einsatzfähig.

Es sind Bilder, die viele nicht mehr aus dem Kopf bekommen werden. Vielleicht einige Monate nicht, vielleicht nie.

Einen sterbenden Menschen aus einem zerstörten Auto zu ziehen, ist auf der einen Seite eine Leistung, für die man größte Hochachtung, größten Respekt aussprechen muss. Wer so etwas tut, dazu auch noch ehrenamtlich, der handelt nicht nur uneigennützig, er leistet der Gesellschaft einen unbezahlbaren Dienst.

Und er kann auf der anderen Seite erwarten, dass die Gesellschaft ihrerseits ihm alle nur denkbare Hilfe zukommen lässt, um ihn bei seinem Engagement in jeglicher Form zu unterstützen. Die Feuerwehrleute in Dreilingen leisten, wie so viele Ehrenamtliche in den Wehren des Kreises Uelzen, einen so unbezahlbaren Dienst am Nächsten. Doch sie konnten in den vergangenen Wochen und Monaten nicht auf das zurückgreifen, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit und das Mindeste sein sollte, was man ihnen zur Verfügung stellt.

Das Jahrzehnte alte Einsatzfahrzeug der Dreilinger Brandschützer ist ein Problemfall. Mal startet der Motor, mal nicht. Als unweit von Dreilingen ein Autofahrer nach einem Unfall in seinem Wagen starb, setzten sich die Dreilinger Feuerwehrleute in ihre privaten Autos und fuhren zum Einsatzort – ohne Blaulicht, ohne entsprechenden Vorrang auf der Straße. Einer von ihnen zog das Unfallopfer gemeinsam mit den Rettungskräften aus dem Wrack. Die Kameraden von ihm standen nachts auf der Straße und konnten die Unfallstelle ohne entsprechendes Gerät nicht absichern.

Nun ist zwar der Autofahrer nicht gestorben, weil die Rettung sich verzögerte, denn andere Feuerwehren waren ebenfalls zur Unfallstelle geeilt. Aber das ist nicht der Punkt. Was fassungslos macht und empört, ist der Umstand, dass ehrenamtliche Helfer nachts und ungesichert auf einsamen Straßen stehen müssen, weil sie offenbar im Stich gelassen werden. Ob von der Verwaltung oder der Lokalpolitik, das wird gerade im beliebten Schwarze-Peter-Spiel im Samtgemeinderat ausdiskutiert.

Während jederzeit wieder Menschen schwer verunglücken können und auf schnelle Hilfe angewiesen wären, kommen vom Samtgemeindebürgermeister Floskeln wie „Mir liegt es am Herzen, gemeinsam eine schnelle, sachliche und vernünftige Lösung zu finden“. Wie er dabei den Begriff „schnell“ definiert, bleibt dahingestellt. Der Unfall ereignete sich bereits in der Nacht zum 9. März. Der Samtgemeindebürgermeister will von den Umständen bis Mitte April nichts gewusst haben. Ob ihn das kompetenter macht, sei dahingestellt.

Während also in der Samtgemeinde munter Pingpong gespielt wird, mutet man den Feuerwehrleuten weiter zu, dass jeder Alarm mit der Ungewissheit verbunden ist, ob man helfen kann. Wenn der erste Feuerwehrmann verunglückt, weil seine Ausrüstung nicht standesgemäß war – wie will ein Samtgemeindebürgermeister, wie will die Politik, wie will die Gesellschaft dies den Angehörigen erklären?

Und angesichts dieser fehlenden Wertschätzung muss sich am Ende niemand mehr wundern, wenn sich immer weniger Bürger für dieses schwierige und wichtige Ehrenamt finden.

Von Thomas Mitzlaff

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