Mit starken Nerven und Fingerspitzengefühl: Jugendamt vermittelt zwischen Eltern – „zum Wohl der Kinder“

Wenn die Liebe zum Rosenkrieg wird

+
Wenn sich Paare trennen, endet die Beziehung nicht selten mit einem Rosenkrieg. Die Leidtragenden sind dabei die Kinder. Das Jugendamt des Landkreises Uelzen versucht, zwischen den ehemaligen Partner zum Wohle der Kinder zu vermitteln.

Uelzen/Landkreis. Jede Wahrheit hat zwei Seiten – erst recht, wenn Gefühle im Spiel sind. Das wissen die Mitarbeiter der Trennungs- und Scheidungsberatung des Jugendamtes für den Landkreis Uelzen ganz genau.

Bei ihrer Arbeit bekommen sie täglich zwei Versionen präsentiert. Denn wenn sich Eltern trennen, passiert das nicht immer harmonisch – und die Partner haben unterschiedliche Ansichten, wieso es dazu gekommen ist. „Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu zeigen: ‘Es geht nicht um euch, sondern um eure Kinder’“, erklärt die Leiterin Brigitte Lindenthal.

Jede Scheidung, bei der Kinder unter 18 Jahren involviert sind, landet bei den drei Sozialarbeitern auf dem Tisch. Manchmal melden sich auch unverheiratete Paare. In Gesprächen soll geklärt werden, wie der Umgang mit den Kindern geregelt werden soll. Zwar erstatten die Mitarbeiter vor Gericht oft Bericht, aber: „Kein Gericht der Welt kann die Eltern zwingen. Letztendlich kommen alle freiwillig“, erklärt Sozialarbeiterin Katharina Ernsting. Im Schnitt bearbeiten sie 400 Fälle im Jahr.

Oft sei es wie im Film: der klassische Rosenkrieg – und zwar durch alle Gesellschaftsschichten. „Verletzte Gefühle spielen eine Rolle oder es geht um Geld“, sagt Brigitte Lindenthal. „Schlimm wird es, wenn einer einen neuen Partner hat.“ Solche Härtefälle kämen vor, aber: „Das ist nicht die Masse. Es gibt auch viele harmonische Trennungen.“

Der Job sei nicht für jeden etwas. „Man braucht ein starkes Nervenkostüm“, weiß die Jugendamtsleiterin, denn bei „strittigen Eltern“ liege es in der Natur der Sache, dass sich eine Partei benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlt. Katharina Ernsting ist so eine Frau mit starken Nerven. Seit 29 Jahren vermittelt die 63-Jährige zwischen einstigen Paaren. „Oft kommen die Eltern mit der Erwartungshaltung: ‘Das Jugendamt regelt das schon für uns.’“ Das sei falsch: „Die Eltern müssen selbst einen Kompromiss finden. Wir schaffen nur den Rahmen.“ Bei der Beratung kommt Katharina Ernsting ihre Erfahrung zugute: „Wenn ich die Bürotür aufmache und sehe, wie weit die Eltern auf dem Gang voneinander entfernt stehen, weiß ich eigentlich schon, wie es läuft.“

Doch auch für Katharina Ernsting ist die Grenze des Erträglichen gelegentlich erreicht. „Manche Eltern legen uns eine Flut an Ausdrucken von Whatsapp-Nachrichten vor. Dann müssen wir klarstellen: ‘Wir sind keine Eheberatung.’“ Und Kollege Dirk Heitbreder ergänzt: „Wer vor drei Jahren den Müll nicht rausgebracht hat, interessiert uns nicht.“

Noch immer besteht laut Brigitte Lindenthal das Vorurteil, dass das Jugendamt die Kinder ihren Eltern wegnehmen will. „Das stimmt nicht. Wir tun alles dafür, dass beide Elternteile erhalten bleiben“, betont sie, denn Kinder bräuchten für eine gesunde Entwicklung Vater und Mutter. „Und man muss immer bedenken, dass ein Elternteil durch einen Schicksalsschlag ausfallen kann.“ Für Mütter sei es oft nicht einfach, das zu akzeptieren, denn: „Väter machen es auch gut, aber sie machen es anders.“

Manchmal seien Vater und Mutter so zerstritten, dass sie es kaum miteinander im selben Raum aushalten. „Wenn sie sich nach dem Gespräch wieder in die Augen schauen können, weil sie merken, dass es eine Lösung gibt, macht uns das stolz“, erklärt Ramona Rührke. Das seien die schönen Momente in ihrem Beruf. „Der Job lehrt uns, dankbar dafür zu sein, was wir selbst mit unseren eigenen Familien haben – und Demut“, weiß Brigitte Lindenthal.

Von Sandra Hackenberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare