Muss-, Kann- und Korridor-Kinder

Wenn Kinder gerade richtig, zu früh oder zu spät eingeschult werden

697 Erstklässler gab es nach Angaben der Schulbehörde zum Schuljahr 2018/2019 in Stadt und Landkreis Uelzen. Wieviele davon Muss-, Kann- oder Koridor-Kinder waren, wurde statistisch nicht erhoben.
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697 Erstklässler gab es nach Angaben der Schulbehörde zum Schuljahr 2018/2019 in Stadt und Landkreis Uelzen. Wieviele davon Muss-, Kann- oder Koridor-Kinder waren, wurde statistisch nicht erhoben.
  • VonRobin Vogt
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Uelzen – Normalerweise ist jeder Erstklässler sechs Jahre alt. Kinder, die im Sommer auf die Welt gekommen sind, können aber mitunter schon mit fünf oder erst mit sieben Jahren eingeschult werden.

Das liegt in der Natur der Sache und in der Entscheidung der Eltern und des Gesundheitsamtes der Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg.

Aber nun erst mal der Reihe nach: In Deutschland gilt erst einmal für alle Kinder die Schulpflicht, doch zu welchem Stichtag sie in die Schule müssen, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Muss-Kind

In Niedersachsen muss ein Kind, das bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollendet hat, zur Schule gehen. Es wird als Muss-Kind bezeichnet.

Kann-Kind

Wird ein Kind nach dem 30. September sechs Jahre alt, unterliegt es noch nicht der Schulpflicht. Diese Kinder können aber zugelassen werden, daher der Begriff Kann-Kinder. Ihre Eltern müssen dann zuerst einen Antrag stellen und dann die Schuleignung durch das Gesundheitsamt nachweisen.

Nun hatte der Niedersächsische Landtag im Februar 2018 ein neues Schulgesetz beschlossen. Darin wurde unter anderem der Einschulungsstichtag flexibilisiert.

Für Kinder, die dies betrifft, gibt es noch keinen Begriff, Maren Kurpierz, Fachbereichsleiterin der Kindergärten des Deutschen Roten Kreuzes in Uelzen, sagte auf Anfrage der AZ: „Wir haben die Kinder jetzt erst mal Korridor-Kinder genannt.

Korridor-Kind

Kinder, die zwischen dem 1. und dem 30. Juli geboren sind, haben demnach einen Sonderstatus, dergestalt, dass deren Eltern – ohne Nennung eines Grundes – formlos einen Antrag auf Rückstellung ihres Kindes beantragen können – Stichtag hierfür ist der 1. Mai. Wird der Antrag bewilligt, kommt das Kind erst ein Jahr später in die erste Klasse.

Diese Gesetzesänderung hat nun auch Folgen für Kindergärten. Denn wie jedes Frühjahr werden derzeit die Kindergartenplätze für die neuen Kindergartengruppen für nach den Sommerferien geplant und vergeben. „Wir suchen dann das Gespräch mit Eltern, deren Kinder in diesen Zeitraum Geburtstag haben, damit wir einigermaßen sicher planen können“, erklärt Kurpierz.

„Es sei aber durch das neue Gesetz nicht eben einfacher geworden.“ Da Kindergärten nicht unendlich viele freie Plätze für neue Kinder haben, muss jeder Kindergarten die Platzvergabe planen, zum Teil auch mit den Plätzen haushalten.

Soll nun ein Kind in die Schule gehen – egal ob mit 5, mit 6 oder mit 7 Jahren – muss es auf jeden Fall die Schuleingangsuntersuchung bestehen. Die findet im Gesundheitsamt der Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg statt, von Dezember bis Juni.

VON ROBIN VOGT

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