Wenn dann der Boden fehlt

Von Marc Rath - Es vergeht derzeit kein Tag, an dem Stuttgart keine Schlagzeilen macht. Demonstrationen, Sitzblockaden, „Schwabenstreiche“. Dazu massenweise Kommentare in Zeitungen und Online-Medien. Das Projekt „Stuttgart 21“ spaltet die Stadt. Kühn und visionär ist die unterirdische Bahnhofsidee, die über der Erde für massive Einschnitte sorgt, aber auch jede Menge Visionen für eine künftige Stadtgestaltung lässt.

Das mag man verschieden sehen, eines ist Befürwortern und Gegnern gleichermaßen klar: Die Kommunikation darüber haben die Initiatoren gründlichst vermasselt. Nicht allein das Projekt, sondern die Form seiner Umsetzung hat die Entfremdung von Entscheidungsträgern zur Bevölkerung rasant beschleunigt – inzwischen geht auch Stuttgarts Bürgertum zahlreich auf die Straße.

Die Schwabenmetropole liegt näher als die Ukraine, aber wie die Stadtwerke und die für das dortige Landwirtschafts-Projekt verantwortliche SBE Holding agieren, trägt Züge, die mit Stuttgart sehr verwandt sind. Hochfliegende Pläne, ein fragwürdiges Gutachten, Korrekturen hinter den Kulissen – seit nunmehr Monaten führen die Ukraine-Verantwortlichen ein trauriges Schauspiel auf, das besten Stoff für die Verdrossenheit über „die da oben“ liefert.

Dem Kern der Idee des Ukraine-Projekts mag man eine Strategie nicht absprechen. Die Umsetzung aber gleicht einer Katastrophe.

Dass die SBE vor wenigen Wochen konkrete Zahlen über die diesjährige Ernte ankündigt und dann aber eine Presseerklärung präsentiert, deren Dürre an die Sahel-Zone erinnert, ist nun ein neuer Höhepunkt.

In der normalen Arbeitswelt könnte sich das keiner erlauben, daher können die Verantwortlichen auch nur auf wenig Verständnis hoffen. Die Kontrollgremien und die Kommunalpolitik finden aber offenbar nicht den Mut für klare Worte und daraus folgende Konsequenzen.

Wie so etwas ausgehen kann, ist nicht nur in Stuttgart zu sehen. marc.rath@cbeckers.de

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