„Media-Markt, Saturn – das schockt“

Wenn der Bürgermeister mit Uelzener Gymnasiasten diskutiert

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Brause und Gummibären waren bei den Schülern des Lessing-Gymnasiums begehrt, die Fragen zur Kommunalpolitik und den Aufgaben eines Bürgermeisters wurden präzise formuliert und den Antworten von Bürgermeister Jürgen Markwardt konzentriert zugehört.

Uelzen. Kurz bevor gestern das Warten auf den Bürgermeister der 8a des Lessing-Gymnasiums vorbei war, machte sich Unsicherheit im VA-Saal des Rathauses breit: „Müssen wir jetzt klatschen?“

Nein, das mussten die Schüler nicht, Jürgen Markwardt begrüßte die Jungen und Mädchen mit einem flotten „Hallo“ und fast so schnell wie die gelbe Sprudel in die Gläser floss, schossen die Fragen der 28 Schüler auf den Bürgermeister ein: Was er von dem neuen Einkaufszentrum Marktcenter halte, ob Uelzen besonders schwer von Flüchtlingen betroffen sei, ob er stolz sei, mittlerweile Bürgermeister einer Hansestadt zu sein und: Warum er überhaupt Bürgermeister habe werden wollen.

„Wollte ich das?“, scherzte der Bürgermeister nicht ohne ernstem Hintergrund. Denn von der Aufgabe habe er von seinem Vorgänger Otto Lukat erst noch überzeugt werden müssen. Aber heute genieße er die enorme Vielseitigkeit der Arbeit, auch wenn es jede Woche eine anstrengende Terminhatz von Montag bis Sonntag sei – nicht umsonst habe die Klasse kurz auf ihn warten müssen. Die schwierigste Entscheidung im Amt – auch danach fragten die Schüler – sei deswegen eher eine grundsätzliche: Wann ist es Zeit für die Familie oder für Freunde? Zwei Töchter, ein bisschen älter als die Fragesteller, habe er selbst, berichtete Markwardt.

Noch zwei Frage-Beispiele: Ob er als Bürgermeister in besonderem Maße auf Ratsbeschlüsse einwirken könne und was eigentlich besser sei – als Polizist zu arbeiten oder als Bürgermeister? Seine Stimme zähle genauso wie die der anderen Ratsmitglieder auch und im Herzen bleibe er immer Schutzmann, erwiderte Markwardt, der lange als Polizist in leitender Funktion tätig war.

Der Bürgermeister beantwortete die Fragen ausführlich und gab sich immer wieder schülernah. Ein Beispiel: Seine Wortwahl im Zusammenhang mit dem Marktcenter: „Ihr seid sicherlich technikbegeistert. Media Markt, Saturn – das schockt!“

Die Hoffnung eines Jungen, dass er auf TÜV und Führerschein für Kleinkrafträder Einfluss nehmen könne, enttäuschte der Bürgermeister mit Hinweis auf die Rechtsstaatlichkeit und fehlende Zuständigkeit.

Als besonders wichtige Qualifikationen für die Tätigkeit als Bürgermeister nannte Markwardt schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit, Menschen überzeugen zu können. Auf die Frage, was das größte Problem der Stadt sei, entgegnete er als Erstes, stets für Uelzen zu werben: Günstiges Wohnen, niedrige Kriminalitätsrate und dass man sich kenne – trotz „Macken“ habe die Stadt ihre Qualitäten. Und dafür so Markwardt, könnten die Uelzener auch noch selbstbewusster einstehen. Insofern seien die Bewohner der Stadt ein Teil ihres Problems – neben der Verkehrsanbindung und einer Innenstadt, die attraktiver werden könne: „Ich setze mich für den Bau der A 39 ein und arbeite intensiv an der Ansiedlung eines Modemarktes. Allerdings haben wir im Moment keine freie 1 A-Fläche, die so ein Laden fordert“, sagte Markwardt.

Befragt zu seinen weiteren beruflichen Zielen, erwiderte Markwardt, dass er erstmal Bürgermeister bleiben wolle. „Ich bin nicht Bürgermeister geworden, um dann irgendwann Minister zu werden.“

Von Steffen Kahl

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