Anwohner leiden unter Motorrad-Lärm / Wer den Auspuff manipuliert, verliert den Versicherungsschutz

Wenn die Biker den Stöpsel ziehen

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Blick in den Auspuff einer Kawasaki: Eine einzige Schraube sichert den sogenannten DB-Killer, ein Rohr im Schalldämpfer, das die Maschine eigentlich leiser machen soll. Viele Biker bauen das Teil aus, um einen lauteren und tieferen Klang zu erzeugen.

Uelzen. Warum müssen Motorräder eigentlich so laut sein? Diese Frage stellen sich nicht nur die Anwohner der Bundesstraßen, sondern auch beliebter Biker-Strecken, die etwa über Velgen und Ebstorf oder von Bienenbüttel nach Bad Bevensen führen.

Manchmal kontrolliert die Polizei – und stößt, wie jetzt bei Scharnebeck – auf manipulierte Schalldämpfer (AZ berichtete).

„Das ist die neue Mode“, berichtet Polizeihauptkommissar Bernd Friedrichs von der Polizeiinspektion Lüneburg-Uelzen. Er ist Mitglied einer Kontrollgruppe, die hinter den Chrom der Maschinen blickt – und dort fehlt allzu oft ein Bauteil, das DB-Killer (Dezibel-Beseitiger) genannt wird. Seine Aufgabe: das Motorgeräusch unter den gesetzlichen Grenzwert zu drücken. Das aber wollen viele Biker gar nicht.

Häufig sind die DB-Killer ausgebaut

„Das ist wie bei der Formel eins. Es hört sich einfach besser an, wenn kein DB-Killer drin ist“, sagt ein Motorradfahrer der AZ. „Es ist ja nicht schädlich. Es ist nur lauter.“

Die AZ besucht Motorrad-Händler Hermann Meyer (Hobby-Motor) im Uelzener Gewerbegebiet Fischerhof. Er zeigt auf den Schalldämpfer einer gebrauchten Kawasaki. Der DB-Killer ist nichts anderes als ein Rohr im Auspuff. „Um das Rohr rauszunehmen, braucht man nur die Schraube rauszudrehen“, erklärt Meyer. Vom Gefühl her ist die Maschine dann doppelt so laut. Viele Biker haben das Teil im Rucksack oder unter der Bank dabei.

Bei den neueren Fahrzeugen geht das nicht, ihre Auspuffanlagen sind vernietet. Umso mehr floriert das Geschäft mit sogenannten Sportauspuffen, weiß Polizist Bernd Friedrichs. Sie sind nicht nur lauter und dumpfer, sondern enthalten auch einen DB-Killer, den man fast so schnell herausziehen kann wie einen Stöpsel. Bei der Kontrolle in Scharnebeck fielen 35 von 37 kontrollierten Maschinen durch, in sechs Fällen war das Bauteil entfernt.

„Man sieht das einfach“, erzählt Hauptkommissar Friedrichs. Selbst gestandene Männer über 50 hat er mit der Manipulation erwischt. „Viele sind sich nicht bewusst, welche Folgen das hat, wenn sie am Fahrzeug manipulieren“, sagt Friedrichs. „Sie verlieren den Versicherungsschutz, und bei einem Unfall darf die Versicherung bis zu 70 Prozent der Kosten einbehalten.“

Bei der Kontrolle mussten die Ertappten 50 Euro zahlen und das fehlende Teil vor den Augen der Beamten wieder einbauen. Ein junger Mann verlor sogar die Betriebserlaubnis.

Es waren übrigens nicht die einzigen Manipulationen. Nach Auskunft von Friedrichs bringen viele Motorradfahrer die Kennzeichen in einem abweichenden Winkel an. Sie sind dann bei einer Tempokontrolle schwer zu lesen.

Beim MC Brenner mit Sitz in Vinstedt sind solche Manipulationen kein Thema: „Bei uns im Klub fahren alle mit DB-Killer“, stellt Vorstandsmitglied Dirk Deumann klar. Wer einen anderen Sound wolle, könne ganz legal einen Endtopf mit EU-Zulassung einbauen.

Honda-Händler Meyer sieht einen Trend weg von lauten Maschinen: „Viele Motorradkäufer wollen das gar nicht mehr. Aber es gibt schwarze Schafe. Darunter leiden alle Motorradfahrer.“

Von Gerhard Sternitzke


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