Eine Frage des Baumes – Kommentar von AZ-Redakteur Robin Vogt 

Ist weniger wirklich mehr?

+
(Symbolbild)

Schon bei Adam und Eva ist ein Obstbaum sehr bedeutend. In vielen Kulturen der Welt sind Bäume Sinnbild für etwas, sie werden von Geistern bewohnt, spenden Kraft, ihre Blätter sind Anzeiger für die vier Jahreszeiten.

Doch immer öfter – so scheint es – stehen Bäume für Schmutz und Dreck, ärgern den menschlichen Ordnungssinn. So wurden in einem Wohngebiet in Hohenbostel vergangenes Jahr 23 Obstbäume gefällt, weil ihr Obst – laut Anwohner – den Gehweg zu unsicher machte. Auch das Laub bedeutete Extraarbeit für die Hausbesitzer. Nach einem Protest Anderer gegen die Fällung wurden im Herbst nun Ersatz-Bäume gepflanzt: allerdings fünf weniger und auch weniger Obstbäume. Stattdessen wurden Laubbäume gepflanzt.

Weniger Bäume ist gleich weniger Laub, weniger Obst ist gleich noch weniger zu tun. Fein. Oder?

Der „ich-möchte-so-wenig-damit-zu-tun-haben-Trend“ ist auf dem Vormarsch.

Schaut man sich Neubaugrundstücke an, so sieht man immer öfter frisch gepflanzte Lebensbäume, mitunter reihenweise. Die sind immergrün, wachsen schnell und hoch – und verhindern so möglichst bald die Sicht anderer aufs eigene Heim – und, das beste daran, sie lassen weder Laub noch Obst fallen.

Müssen wir immer nur auf praktisch und pflegeleicht schauen? Zählt nicht auch Fruchtbarkeit und Schönheit?

In meiner Kindheit nannten wir Lebensbäume übrigens Friedhofsbäume, womit wir dann wieder in der Bibel angelangt sind.

VON ROBIN VOGT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare